Meinung : … Frankreich

Sabine Heimgärtner

über Handventilatoren, die im Sommer Frankreichs Alte retten sollen – und die Regierung In diesem Sommer wird man in ganz Frankreich ältere Menschen sehen, die sich mit einem kleinen „brumisateur“ das Gesicht kühlen. Der Mini-Ventilator soll den Senioren Kühlung verschaffen – und das schlechte Gewissen der Pariser Regierung lindern. Jeder Franzose, der über 65 Jahre alt ist, hat Anrecht auf die kostenlose Kleinstklimaanlage – eine Lehre aus der Hitze-Katastrophe des vergangenen Jahres. Die hätte die Regierung beinahe zum Abdanken gezwungen. Die Hitzewelle mit Temperaturen von rund 40 Grad, die in den ersten 15 Augusttagen in den französischen Großstädten rund 15 000 älteren und kranken Menschen den Tod brachte, weil sich niemand um sie kümmerte, hat den damals zuständigen Gesundheitsminister Jean-Francois Mattei das Amt gekostet. Nun legte der frisch gebackene Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy einen Vierstufenplan vor, um allein gelassene Senioren und überforderte Angestellte in Altenheimen zu beruhigen.

Das Konzept sieht neben den gratis verteilten Handventilatoren eine enge Kooperation zwischen dem Wetterdienst und lokalen sowie überregionalen Behörden vor. Sollten die Temperaturen das normale Maß übersteigen, werden mobile Einsatzkommandos aus Feuerwehren und Sanitätern gebildet, um gefährdete Personen zu retten. Damit es erst gar nicht so weit kommt, machte die Regierung knapp 500 Millionen Euro locker, um in den kommenden fünf Jahren 10 000 neue Stellen in der Altenpflege zu schaffen. Kurzfristig soll bis Ende Juli in jedem Altenheim ein Kühlraum eingerichtet werden, der mit Klima- und Sprinkleranlagen ausgestattet ist. Die Verantwortlichen im Kranken- und Sozialbereich reagierten mit Kopfschütteln und Spott. Die Wartezeiten für die Lieferung einer neuen Klimaanlage liegen nach Angaben von Luc Brossy, der als Gewerkschaftssekretär für Frankreichs Altenheime zuständig ist, derzeit bei rund acht Wochen. Auch die Bürgermeister, die aufgerufen sind, Listen betagter, fragiler Bewohner aufzustellen, zucken mit den Schultern. Das Problem seien die Alten, die völlig isoliert leben, abgeschnitten von jeglicher Information, und gar nicht wissen, dass sie ein Anrecht auf Hilfe haben. So kommentierte die linksliberale „Libération“: „Der neue Gesundheitsminister, früher Bürgermeister von Lourdes, gibt vor, in Sachen Hitzewelle doppelt so viel getan zu haben wie sein Vorgänger, also das Doppelte von nichts. Insofern ist es besser, in der Kirche des Wallfahrtsortes Kerzen aufzustellen und zu hoffen, dass keine neue Hitzewelle kommt."

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