Meinung : … Frankreich

Hans-Hagen Bremer

Es ist sein fünftes Buch. „Témoignage“ lautet der Titel, und neben dem Namen des Autors, der darin über 280 Seiten „Zeugnis“ ablegt, ist es vor allem sein Bild auf der Einbandseite, das in den Auslagen der Buchhandlungen ins Auge springt. Unter größter Geheimhaltung hat es Nicolas Sarkozy geschrieben. Kein „Neger“, wie die Franzosen „Ghostwriter“ nennen, hat dem Innenminister und Vorsitzenden der Regierungspartei UMP zugearbeitet, und nun hat er bei seinen Auftritten in französischen Urlaubsorten alle Hände voll zu tun, den Wünschen seiner Leser nachzukommen, ihr Exemplar zu signieren. Mit über 300 000 verkauften Exemplaren ist es der Bestseller dieses Sommers.

Dabei enthält „Témoignage“ weder politische Enthüllungen noch Aussagen zur Präsidentenwahl im Frühjahr 2007, zu der Sarkozy als Kandidat seiner Partei anzutreten beabsichtigt. „Es wäre heuchlerisch, das Gegenteil zu behaupten“, schreibt er. Was ihn zur Feder greifen ließ, ist offensichtlich die Absicht, das Image des kalten Machtmenschen, das manche Franzosen von ihm haben, abzustreifen und sich als verantwortlicher Politiker vorzustellen, der den Sinn der Politik in der Aktion sieht. „Soweit ich zurückdenken kann, habe ich immer handeln wollen“, schreibt er. „Ich glaube an Willen und Entschlossenheit und am Ende zahlt sich die Anstrengung immer aus.“

So erklärt Sarkozy sein Handeln in den vergangenen vier Jahren als Innen- und zwischenzeitlicher Finanzminister. Viele Kontroversen hat er provoziert. Das Wort „racaille“, mit dem er Jugendliche in der Banlieue als „Gesindel“ qualifizierte, ist in wacher Erinnerung. Ausführlich beschreibt er, wie es bei der Antwort auf die Beschwerde einer Bewohnerin dazu kam und warum er das Wort auch jetzt nicht zurücknimmt. Die Politik der Regierung kritisiert er, ohne den Namen des Premierministers zu nennen. Überraschend ist die Beschreibung seines Verhältnisses zu Präsident Jacques Chirac, den er wegen seiner „Energie, Hartnäckigkeit und Charakterstärke“ bewundere. Sie hätten manche Zusammenstöße gehabt, hassten sich aber nicht.

Angeblich auf Drängen seiner Frau Cécilia, die sich von ihm getrennt hatte und nun wieder zu ihm zurückgekehrt ist, lässt sich Sarkozy auch über seine Ehekrise aus. Was er erlebt habe, hätten auch Millionen Franzosen durchgemacht, schreibt er. Man werfe den Politikern vor, nichts vom wahren Leben zu wissen. Er kenne es nun: „Es hat mich gezwungen, eine Menschlichkeit zu zeigen, die mir bisher abging.“

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