Friede Springer, Verlegerin: : Verkauf der Regionalzeitungen an Essener Funke-Gruppe ist "unumgänglich"

Der Verlegerwitwe ist die Entscheidung für den Verkauf der Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften schwer gefallen. Für die Hauptaktionärin war es aber eine logische Konsequenz, dass sich der Springer-Verlag von seinen Wurzeln trennt.

Sonja Álvarez
Springer und Döpfner
Verleger-Witwe Friede Springer hört auf Döpfners Rat beim Blick in die ZukunftFoto: dpa

Jeden Morgen gegen acht Uhr lässt sich Friede Springer von ihrem Fahrer in ihrem Haus in Berlin-Dahlem abholen und nach Kreuzberg bringen, wo die Axel Springer AG ihren Hauptsitz hat. Hier oben, im 18. Stock, sitzt die Verlegerin im Amtszimmer ihres 1985 verstorbenen Mannes. Alles hier sieht genauso aus wie damals, sagte sie kürzlich dem „Manager Magazin“ (MM). Getäfelte Wände, Regale mit hunderten Büchern, an der Wand Walter Leistikows „Schlachtensee“ in Öl. Nur, dass auf dem Schreibtisch jetzt ihr Macbook steht. Doch nun hat die Hauptaktionärin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende einer Veränderung zugestimmt, die den Konzern von seinen Wurzeln trennt.

Für insgesamt 920 Millionen Euro verkauft der Springer-Verlag seine Regionalzeitungen sowie seine Programm- und Frauenzeitschriften an die Essener Funke Mediengruppe. Darunter das „Hamburger Abendblatt“ und die „Hörzu“, also die Titel, auf die ihr Mann seinen Erfolg gründete und das größte Zeitungshaus Europas aufbaute. Der Verkauf sei „unumgänglich“ gewesen, sagte Friede Springer in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Sie sehe die täglichen Zahlen. Die Entscheidung sei schwer gefallen, aber auch eine logische Konsequenz aus der Entwicklung des Marktes gewesen. „Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen.“

Nichts geht ohne ihr Einverständnis

Das hört sich ganz und gar nicht nach sentimentaler Verlegerwitwe an, sondern nach nüchterner Analyse. Friede Springer, die auf der Insel Föhr als Gärtnerstochter aufwuchs, als Kindermädchen im Hause Springer eingestellt und zur Geliebten und fünften und letzten Ehefrau Axel Springers wurde, wendet sich kühl und konsequent Neuem zu. Anfangs wurde sie, die nur einen Volksschulabschluss besitzt, belächelt und unterschätzt, als sie 1985 den Platz ihres Mannes einnahm. Heute geht im Konzern nichts ohne ihr Einverständnis. An ihrer Seite hat sie Mathias Döpfner, den sie 2002 zum Vorstandsvorsitzenden beförderte. „Gegen den Rat aller“, erinnerte sie sich im „MM“. Inzwischen ist sie mit ihm befreundet, Patentante eines seiner Kinder. Im vergangenen Sommer, kurz vor ihrem 70. Geburtstag, schenkte sie Döpfner ein Springer-Aktienpaket im Wert von 73 Millionen Euro.

„Ich bin ein Produkt von Axel Springer“, sagte Friede Springer einst. Und heute: „Mich zu formen, wie Axel Springer es getan hat, das würde heute nicht mehr gehen.“ Im Arbeitszimmer ihres Mannes ändert Friede Springer nichts. Im Konzern alles.

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