Meinung : … Holland

Klaus Bachmann erklärt, warum die Niederländer mit einem Muschelfischverbot die spanische Paella gefährden

Sie ist klein, oval und schmeckt eigentlich nach gar nichts. Doch ohne sie wäre die galizische Küche um einiges ärmer, und die Galizier, jenes kleine, selbstbewusste Völkchen im äußersten Nordwesten Spaniens, hätten nichts mehr, womit sie ihre Paellas schmücken könnten. Eine Paella ohne Herzmuschel, das ist eine Paella zweiter Klasse. Doch bald wird es nur noch zweitklassige Paellas geben. Und daran ist dann die niederländische Regierung schuld. Die hat in dieser Woche mitgeteilt, dass der Herzmuschelfang ab 1. Januar 2005 eingestellt wird. Die Regierung zahlt dann die Fischer aus, die vorher noch einmal herzhaft zulangen dürfen. Die Fangquote wurde von üblichen 5,5 Millionen Kilo auf 8 Millionen erhöht. Da die Fangzeit für Herzmuscheln bis 16. Dezember dauert, dürfen sich auch die Herzmuscheln auf ein friedliches Weihnachten freuen, jedenfalls diejenigen, die die Saison überleben.

Die Maßnahme ist der Regierung nicht leicht gefallen. Die Herzmuschelfischerei ist ein jahrhundertealter Beruf mit einem Prestige, das mit dem kanadischer Holzfäller oder spanischer Torreros vergleichbar wäre. Obwohl fast alle Herzmuschelfischer inzwischen für eine Exportfirma arbeiten, die einer Schweizer Bank gehört, haftet ihnen immer noch ein rauer, romantischer Nimbus an, der aus Zeiten stammt, als das Muschelfischen noch ein Abenteuer war. Inzwischen allerdings haben die Niederländer ihren Muschelfang so perfektioniert, dass das Muschelaufkommen immer weiter zurückgeht. Und so haben sie sich mit Muschelschützern angelegt, die mächtiger sind als Schweizer Banken.

Ende vergangenen Jahres verklagten Umweltverbände die Niederlande vor dem Europäischen Gerichtshof. Grund: Durch den Muschelfang verliert die Eiderente ihre Nahrungsgrundlage. Die Ente wird geschützt von der EU-Vogelschutzrichtlinie, und die verlangt bei Eingriffen in die Natur eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die nie durchgeführt wurde, weil Muschelfischen im Wattenmeer ja nichts Neues ist. Die Richter wollen erst im September entscheiden. Der niederländischen Regierung war das Eisen aber offenbar zu heiß. Man habe den Einfluss der Herzmuschelfischerei auf die Enten unterschätzt, heißt es nun. Der Verband der „Kokkelvisser“, wie die Herzmuschelfischer auf Niederländisch heißen, ist mit der gefundenen Lösung zufrieden. Den Umweltschützern dagegen ist die diesjährige Fangquote zu hoch. Geklagt wird also weiter. Egal wie der Streit ausgeht, in Galizien tut man gut daran, sich nach einer anderen Paella-Zutat umzusehen.

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