Meinung : … Holland

Ruth Reichstein

über ein kleines Glück in einem verunsicherten Land 50 Zentimeter groß, 3490 Gramm schwer. So zierlich ist das neue Glück der Niederländer. Vergangenen Sonntag hatte Prinzessin Maxima, Gemahlin des Thronfolgers Willhelm Alexander, ihre zweite Tochter geboren. Und Holland brach einmal mehr in Monarchie-Euphorie aus. Der Premierminister gratulierte der kleinen Alexia öffentlich zur Geburt, am Montag wurden in ganz Holland die Fahnen des Königshauses gehisst. Die Zeremonie im Standesamt, bei der der stolze Vater seine Tochter anmeldete, wurde live im Fernsehen übertragen, der Kronprinz wurde von Schaulustigen mit Plüschtieren überschüttet. Die Holländer lieben ihre Prinzen und Prinzessinnen, vor allem die ganz kleinen.

Doch außer der Monarchie stimmt in dem einstigen toleranten und freizügigen Musterland nicht mehr viel. Das viel gelobte Poldermodell, mit dem die Niederländer ihre Arbeitslosigkeit senken und die Wirtschaft ankurbeln konnten wie kaum ein anderes europäisches Land, ist an seine Grenzen gestoßen. Im ersten Quartal 2005 gehörten die Niederlande mit einem Wachstumsminus von 0,1 Prozent zu den Schlusslichtern der Eurozone. Die Arbeitslosigkeit stieg seit 2002 um mehr als zwei Prozent auf 6,7 Prozent. In letzter Zeit folgte ein Streik dem nächsten: die Beamten demonstrierten gegen eine Verschlechterung ihrer Besoldungsverträge, Polizisten und Eisenbahner forderten mehr Geld. Und die Regierung von Jan Peter Balkenende findet – zumindest bislang – keinen zufriedenstellenden Ausweg aus der Krise.

Und es kriselt nicht nur in der Wirtschaft. Seit der Ermordung des Filmemachers und Islamkritikers van Gogh im vergangenen Herbst durch einen extremen Islamisten steht das Land nicht nur symbolisch in Flammen. Immer wieder brennen Moscheen und Kirchen. Die Menschen fühlen sich im eigenen Land nicht mehr sicher. Die Fremdenfeindlichkeit steigt. Und die Regierung fährt ihre Integrationsprogramme zurück. In Den Haag muss eine Schule, die Niederländisch-Kurse für Immigranten anbietet, im kommenden Jahr mit 30 Prozent weniger Geld wirtschaften. Da tut es gut, wenn wenigstens im Königshaus alles in Ordnung ist.

Doch beinahe hätte das Prinzenpaar den Niederländern die Freude vermiest. Den Namen Alexia trägt nämlich nicht nur die Baby-Prinzessin, sondern auch die uneheliche Tochter des verstorbenen Prinzen Bernhard, des Vaters von Beatrix. Doch der Thronfolger beruhigte: Mit jenem Kind hätte seine Alexia überhaupt nichts zu tun. Der Vorname leite sich schlicht von seinem zweiten Vornamen Alexander ab.

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