Meinung : … Japan

Finn Mayer-Kuckuk

Wo schmeckt es wie zu Hause? Für immer mehr Staaten wird diese Frage offenbar zu einem Kernbestand nationaler Selbstvergewisserung. Italien und Thailand fingen vor einigen Jahren damit an; jetzt hat die Sorge um das globale Bild der eigenen Esskultur auch die Regierung in Tokio zum Handeln veranlasst. Das Landwirtschaftsministerium hat einen „Rat für die Zertifizierung japanischer Restaurants außerhalb Japans“ ins Leben gerufen. In diesen Tagen zeigt die Arbeit des Gremiums erste Wirkung. Eine Pilotgruppe hat in Paris nach anonymen Testbesuchen 45 Restaurants mit einem Logo aus zwei Essstäbchen und dem Schriftzug „authentique“ ausgezeichnet.

Die Japaner machen sich Gedanken, was die Leute im verwöhnten Frankreich über ihre Esskultur denken, wenn beispielsweise die Misosuppe nach nichts schmeckt oder das Sashimi fischig riecht. Es ist aber sicher übertrieben, wenn die „Washington Post“ in der Initiative des Agrarministers nun eine Rückkehr des japanischen Nationalismus sieht. Für überschwänglichen Patriotismus gibt es klarere Beispiele als ausgerechnet eine Plakette für Läden, in denen der Küchenchef Rundkornreis verwendet und die Bedienung den Unterschied zwischen Ika und Ebi kennt.

Bedauerlich an der Idee mit den Echtheitslogos für die Ladentür ist etwas anderes. Die besten asiatischen Restaurants in Europa sind längst nicht mehr nur auf eine Landesküche ausgerichtet. Unter dem Schlagwort „Crossover“ mischen sie asiatische Geschmäcker untereinander. Oder sie schlagen die Brücke nach Europa und reichen Tafelspitz mit Teriyaki-Sauce und Sushi mit Rauke. Kreative Köche haben damit keine Chance auf die Auszeichnung. Aber vielleicht ist das zu viel verlangt. Die Plakette des Agrarministers soll schließlich nicht wie ein Michelin-Stern gutes Essen anerkennen, sondern einen Hinweis auf authentischen Geschmack geben.

Das könnte vor allem für die Japaner selbst nützlich sein. Viele von ihnen sind zwar international eingestellt und schwelgen im Ausland in örtlichen Spezialitäten. Dieser Typ kann gar nicht genug bekommen von Eisbein mit Sauerkraut und Currywurst. Ebenso viele Japaner fürchten allerdings immer noch, nichts Richtiges zu futtern zu kriegen – nach zwei Tagen ohne Rundkornreis und glutamathaltige Fischfonds werden sie unglücklich. Wenn das heimische Agrarministerium da eine Internetseite mit Adressen von verbürgt japanischen Restaurants im Ausland anbieten würde, dann wäre das wenigstens ein gutes Mittel gegen Heimweh.

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