Meinung : … Kenia

Christoph Link

über den Tod des Tourismusministers in Deutschland Zu ihren Lebzeiten werden kenianische Politiker kritisiert, gescholten und verspottet. Sterben sie aber in ihrer Amtszeit, fliegen ihnen nationale Liebe und Hochachtung zu, dem Clan großzügige Steuergeschenke. Der tragische Tod von Kenias Tourismusminister Karisa Maitha in Frankfurt am Main ist dafür ein Beispiel: Der Minister für Tourismus, erst zwei Monate im Amt, war auf einer Dienstreise in Deutschland, als ihn der Tod am 26. August ereilte. Der 50-jährige Maitha erlitt während eines Telefoninterviews mit dem Kisuaheli-Dienst von Radio Deutsche Welle einen Herzinfarkt, dem er später erlag. Ganz Kenia war schockiert.

Zu Lebzeiten war Maitha durchaus kritisch gesehen worden. Er wurde als einer der Agitatoren bei den blutigen Likoni-Unruhen 1997 an Kenias Küste betrachtet, war der Korruption verdächtig und wegen seines harschen Führungsstils auf seinem vorherigen Posten als Minister für lokale Angelegenheiten höchst unbeliebt. „Sie sind entlassen“, konnte der füllige Minister vor laufenden TV-Kameras etwa einen Krankenhausdirektor anbrüllen, den er für unfähig hielt. Aber alle Kritik verstummte mit dem Todestag. „Unser Hurrikan“, lobte Kenias Präsident Mwai Kibaki den Verstorbenen und ließ Straßen in Nairobi mit Maithas Porträt plakatieren. Seit zwei Wochen vergeht kein Tag, an dem die Presse nicht über Maitha berichtet, über seine drei legal geheirateten Frauen, deren zwölf Kinder, und über die Enthüllung, dass es noch eine vierte Witwe gebe, die ihm auch zwei Kinder gebar, die aber nicht als Ehefrau anerkannt wird. Inzwischen ist auch noch eine fünfte Frau aufgetaucht, ebenfalls mit zwei Kindern. Ein großes Thema war der Streit um die Beerdigung, bei der die Volksgruppe der Giriama, der Maitha entstammte, ihren „Ältesten von Kaja“, mit traditionellen Riten ehren wollte, der Schlachtung eines schwarzen Hahnes und eines Ochsen am Grab, in dessen Haut der Leichnam gewickelt werden sollte. Die anglikanische Kirche, zu der Maitha auch gehörte, protestierte, die Giriama machten einen Rückzieher, aber sie und Muslim-Prediger durften am Samstag ein Gebet halten.

Auf der Woge der Sympathie schwimmt auch die Regierung, die dem Clan des Verstorbenen und seiner Volksgruppe als Trost kostspielige Versprechungen macht. Die Familie Maithas sagte, sie erwarte, dass die Regierung seine Schulden übernimmt. Maitha hatte sich bei Kilifi eine Villa bauen lassen, die nicht ganz bezahlt ist. Schon beim Tod zweier anderer Minister im vergangenen Jahr hatte die Regierung hohe Immobilienkredite kurzerhand getilgt.

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