Meinung : … Kuba

Sandra Weiss

über die Entscheidung Fidel Castros, den Umtausch von US-Dollars mit Strafgebühren zu belegen Jose-Luis ist besorgt. Der Exil-Kubaner ist Kellner in einer Bar in Montevideo. Die Entscheidung Fidel Castros, den Dollar auf Kuba ab November abzuschaffen, macht ihn ratlos: „Wie schicke ich nun Geld an meinen Sohn nach Havanna?“, fragt er mich. „So wie ich Fidel verstanden habe, musst du jetzt Euros, Pfund oder kanadische Dollar schicken, damit beim Umtausch keine Strafgebühr fällig wird“, versuche ich ihn zu beruhigen. „Aber wenn man doch in den Shoppings (so heißen die staatlichen Devisenläden) alles nur gegen Dollar bekommt?“, entgegnet Jose-Luis. „Das soll alles auf konvertible Pesos umgestellt werden“, erwidere ich, und Jose-Luis runzelt die Stirn. Konvertible Pesos ist eine Kunstwährung mit einem fiktiven Wert von einem Dollar, die außerhalb Kubas keinerlei Gültigkeit hat.

Ähnlich geht es europäischen Investoren, die auf Kuba tätig sind. „Das Zentralbankdekret lässt viele Fragen offen, die hoffentlich in den nächsten Tagen beantwortet werden“, sagt ein Unternehmer, der Konten und Buchhaltung Hals über Kopf von Dollar auf eine andere Währung umstellen soll. Auch kubanischen Wirtschaftsprofessoren bereitet das Dekret schlaflose Nächte: „Das ist nicht nur eine komplexe makrowirtschaftliche Maßnahme, sondern betrifft den Geldbeutel jedes einzelnen Kubaners. Es ist, wie wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, zitiert AFP einen Akademiker.

Zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarden Dollar jährlich erhalten die Kubaner von emigrierten Verwandten, um sich damit lebensnotwendige Dinge wie Seife, Kleidung und Milch in den Shoppings kaufen zu können. Nun stehen sie Schlange vor den Wechselstuben, um ihre Dollars noch vor dem 8. November umzutauschen – ab dann wird die zehnprozentige Strafgebühr fällig. Auf oberster Ebene tobt derweil ein ideologischer Schlagabtausch: „Das ist eine verzweifelte Maßnahme Castros, um sein bankrottes Regime auf Kosten des Volkes an der Macht zu halten“, heißt es aus dem US-Außenministerium. „Wir sind sehr zufrieden, weil wir merken, dass wir sie bis ins Mark getroffen haben und nun souveräner sind, seit wir den Dollar aus dem Umlauf entfernt haben“, hält Zentralbankpräsident Francisco Soberon dagegen. Doch das Schlange stehende Fußvolk schäumt. „Das ist doch nur Plastikgeld, nix wert außerhalb“, schimpft ein Fahrlehrer. „Fidel braucht Dollar und presst uns aus“, klagt ein Student. „Immer mit der Ruhe“, mahnt ein Rentner, der schon unzählige Kapriolen Castros überstanden hat. „Überall auf der Welt wird Geld getauscht, das wird sich schon einrenken.“

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