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In den UN scheitern bescheidene Klonverbote – auch weil die Politik zu große fordert

Markus Feldenkirchen

Davon träumt man manchmal: Von vorbildlichen Politikern, ehrlichen und aufrichtigen Leuten. Diese Politiker müsste man dann klonen. Nicht unbegrenzt, aber genügend für eine richtige Diskussion müssten schon dabei herauskommen. Die würde man dann nach New York zu den Vereinten Nationen schicken. Und in den Bundestag.

Das geht natürlich nicht. Zum einen, weil das Kopieren von Menschen nach dem heutigen Stand der Forschung viele Fehlbildungen hervorbringen würde. Schon das inzwischen schwer kranke Klonschaf Dolly kam erst beim 277. Versuch zur Welt. Zum anderen gibt es eine überwältigende Mehrheit auf der Welt, die das reproduktive Klonen aus gutem Grund ablehnt – selbst dann, wenn es technisch so leicht wäre wie Brotbacken. Und trotzdem wünscht man sich gerade dieser Tage eine neue Riege aufrichtiger Biopolitiker. Denn nirgendwo wabert es mehr vor Heuchelei als in der Debatte um das internationale Klonverbot. Dabei wäre das Ziel leicht zu erreichen gewesen. Die Politik hat sich aber selbst blockiert.

Da saßen also die Verhandler aus aller Welt zwei Jahre lang bei den UN in New York beisammen, um ein internationales Klonverbot vorzubereiten. Damit wenigstens Gruselmedizinern wie dem Italiener Antinori das Handwerk gelegt werden kann, der gerade angekündigt hat, schon im Januar werde das erste Klonbaby unter seiner Aufsicht zur Welt kommen. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist das Menschenklonen durch das nationale Embryonenschutzgesetz verboten. Das reicht jedoch nicht, um zu verhindern, dass sich Antinori & Co. moralfreie Schlupflöcher auf der Welt suchen. Noch gibt es davon zu viele. Das Ziel, ein weltweites Verbot durchzusetzen, um schwarze Klonschafe unter den Forschern auch vor einen internationalen Gerichtshof zerren zu können, ist also richtig.

Die jüngste Ankündigung Antinoris hat auch gezeigt, dass die deutsche Strategie richtig war: sich auf das Durchsetzbare zu konzentrieren und zunächst nur das Menschenklonen weltweit zu ächten. Ein Verbot des therapeutischen Klonens, bei dem keine Babys entstehen, sondern nur embryonale Stammzellen zur Züchtung von Ersatzgewebe gewonnen werden, ist momentan international nicht durchsetzbar. Dies hätte man nur in einem zweiten Schritt, der lange Überzeugungsarbeit erfordert, anstreben können.

Die Amerikaner aber verfuhren in New York nach der Strategie, die noch immer die erfolgreichste ist, um etwas zu vermeiden. Man muss auf die eigentliche Forderung einfach so viel draufpacken, bis sie nicht mehr durchsetzbar ist. So wollten die Amerikaner im Verbund mit anderen Staaten gleich das therapeutische Klonen mitverbieten. Jetzt stehen alle mit leeren Händen da. Die Verhandlungen wurden um ein Jahr vertagt.

Aber auch die Kritik in Deutschland an der Strategie der Regierung ist entweder verlogen oder naiv. Solange Länder wie England oder China zur Weltgemeinschaft zählen, wird es keinen Konsens über ein totales Klonverbot geben. Die Briten haben schon vor zwei Jahren ihre ethischen Grenzen so weit gesenkt, dass das therapeutische Klonen sogar staatlich gefördert wird. China oder Singapur wollen sich derweil als gentechnische Paradiese einen Ruf schaffen. Sie wittern die wirtschaftlichen Chancen der neuen Techniken und erlauben fast alles. Wer weiß, wie resistent die chinesische Führung seit Jahrzehnten jede Kritik an Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen ignoriert, mag nicht daran glauben, dass sie sich ausgerechnet in bioethischen Fragen von moralischen Appellen beeindrucken lässt. Einem Verbot des reproduktiven Klonens, diesem Minimalkonsens aber, hätten selbst diese gentechnischen Schurkenstaaten zugestimmt.

Alles gute Gründe zu verzweifeln. Dennoch: Die Bundesregierung darf jetzt nicht ein Jahr warten, bis sie neuen Anlauf zu einer UN-Resolution nimmt. Sonst wird die träge Politik der rasend schnellen Entwicklung in der Wissenschaft noch weiter hinterherlaufen, als sie es ohnehin schon macht.

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