Meinung : „... oder wir erschießen Schleyer ...“

Werner van Bebber

Kaum jemand weiß, wie sie denkt. Brigitte Mohnhaupt, RAF-Terroristin der zweiten Generation, sitzt im Gefängnis in Aichach und schweigt. Mag sein, dass sie mit ein paar Leuten, die sie in der bayerischen Haftanstalt besuchen, noch immer diskutiert: über den Terrorismus und den unnachgiebigen Staat, dessen angeblicher Rache an einsitzenden Staatsfeinden – wer weiß. Brigitte Mohnhaupt gehört jedenfalls nicht zu den wenigen in der RAF, die für sich versucht haben, den „bewaffneten Kampf“ öffentlich zu beenden. Nun will die 57-Jährige in die Freiheit. Sie hat beim Oberlandesgericht Stuttgart beantragt, dass ihre Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt wird.

Es ist nicht der erste Versuch dieser Frau, die sozusagen zur Generation der Töchter und Söhne von Baader/Meinhof gehört, aus dem Gefängnis zu kommen. Bislang aber vermochten die Richter nicht zu erkennen, dass Mohnhaupt lange genug gebüßt hat. 1985 wurde sie zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Das Gericht erkannte besondere Schwere der Schuld. Das ist mit der Mordserie zu erklären, an der Mohnhaupt nach Überzeugung der Richter beteiligt war. Die zweite Generation der RAF, deren Einpeitscherin sie gewesen sein soll, hat Generalbundesanwalt Siegfried Buback auf dem Gewissen, den Bankier Jürgen Ponto, den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, um die Bekanntesten zu nennen. Am Tod von sechs weiteren Menschen war Mohnhaupt angeblich auch beteiligt.

Die früher mal hübsche blonde Frau galt, so schreibt der RAF-Experte Butz Peters, als „Generalbevollmächtigte“ von Andreas Baader. Sie soll ihn begeistert haben – nicht nur durch ihr gutes Aussehen, sondern mit ihrer Härte und ihrer Entschlossenheit. Baader hat sie offenbar in einigen Monaten gemeinsamer Haft in Stammheim gut genug kennengelernt, um ihr für die Zeit der Freiheit maximale Durchsetzungskraft zuzutrauen. Anfang 1977 gab er ihr den Auftrag mit in die Freiheit, ihn, Gudrun Ensslin und die anderen zur Gruppe gehörenden Terroristen zu befreien: mit Krieg gegen den Staat, mit Erpressung und Mord. Was die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Frau wütend genug für diesen Krieg gemacht hat, ist ihr Geheimnis.

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