Meinung : … Österreich

Markus Huber

über Pisa und die Piefkes Spiegel Online“ brachte die Sache zwar flapsig, aber ansonsten doch ziemlich genau auf den Punkt: „Österreich im Pisa-Schock: Genau so schlecht wie die Piefkes.“ Schon klar, es hätte die spöttischen Worte aus Hamburg gar nicht mehr gebraucht, um die Österreicher mit Nachdruck auf die Bildungsschwächen des eigenen Nachwuchses hinzuweisen – seit mehr als einer Woche wird in Wien und Umgebung schon darüber lamentiert, dass das einst so vortreffliche Bildungssystem bestenfalls nur noch als durchschnittlich bezeichnet werden kann. Dass die österreichischen Kinder nun aber genauso doof wie die deutschen sein sollen, hatte so noch niemand gesehen, und ehrlich gesagt ist die Sache sogar noch schlimmer: In zwei von drei Kategorien der aktuellen Pisa-Studie haben die deutschen Schüler die österreichischen sogar schon überholt, nur in Mathematik liegen die Österreicher einen Platz vor den Nachbarn; auf dem 18. Rang.

Betroffenheit nun im Land. Wie konnte das sein? Schließlich war Österreich bei der vergangenen Studie des Jahres 2001 noch das beste mitteleuropäische Land. Nun können die Kinder aber plötzlich nur noch ungenügend Rechnen, ihre Problemlösungskompetenz wird arg in Frage gestellt, und dass sie nicht mehr Lesen können, kann man auch nur schwer der neuen Rechtschreibung in Rechnung stellen – die sollte die Sache ja eigentlich leichter machen. Bildungspolitiker aller Coleurs sind sich jedenfalls einig, dass rasch gehandelt werden muss. Schon ab Januar soll an diversen Runden Tischen über ein neues Schulsystem verhandelt werden, sogar konservative Experten wollen nun über ein Gesamtschulsystem nachdenken, was sie bislang stets abgelehnt haben. Es herrscht eine seltene Einstimmigkeit quer über alle Parteigrenzen hinweg, dass sich die Schule insgesamt ändern muss. Den vielleicht originellsten Vorschlag zu raschen Sofortmaßnahmen hatte der Bundeskanzler. Wolfgang Schüssel, selbst Vater eines Halbwüchsigen, schlug ganz staatstragend allen Eltern vor, „zu Weihnachten wieder Bücher zu schenken“.

Wie sinnvoll das wäre, bewies am Montag ausgerechnet der smarte Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Erst merkte er in einem kurzen Statement an, dass es nicht mehr Geld für die Schulen geben werde, sondern sich die Lehrer „einfach mehr anstrengen“ müssten. Und dann wurde bekannt, dass er in einem Schreiben an den Parlamentspräsidenten selbst orthografisch nicht ganz korrekt agierte: Darin schrieb Grasser nämlich das Wort „Vordergrund“ mit „F“.

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