Meinung : … Österreich

Markus Huber

über den Feind aus dem Norden, der die Alpenrepublik zu überschwemmen droht Sie sind das Thema dieses Sommers, doch wie man sich ihnen gegenüber verhalten soll, das ist so recht nicht klar. Mal kommen sie in Scharen, was die Österreicher stört, mal bleiben sie aus, was die Österreicher noch mehr stört, und dann kommen sie doch, aber anders als gedacht und gewünscht, und das stört dann sowieso. Von den Deutschen ist die Rede, den Deutschen in Österreich, wieder einmal möchte man sagen, misst sich Österreich doch seit 50 Jahren mit dem großen Nachbarn aus dem Norden. Doch so verquer wie in diesen Tagen war der Umgang der Österreicher mit den Deutschen noch nie. Die ganze Woche über bestimmten die Deutschen die österreichischen Zeitungen – und eine Jubelmeldung gab es erst zum Schluss.

Aber alles der Reihe nach: Zuerst drehte sich in Wien alles um die Universitäten. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von der vergangenen Woche sind die Zugangsbeschränkungen an den österreichischen Unis für europäische Studenten gefallen. Deutsche Studenten hatten den EuGH bemüht, weil ihrer Meinung nach die österreichische Regelung, wonach hierzulande nur studieren darf, wer auch in seinem Heimatland einen Studienplatz vorweisen darf, dem Europäischen Recht widerspreche. Das EuGH gab den Studenten Recht und nun erlebt Österreich einen Ansturm deutscher Numerus-Clausus-Flüchtlinge. Am Montag wurde vermeldet, dass es bereits jetzt für Medizin und Publizistik keine freien Plätze mehr gebe. Schuld daran sind, erraten!, die Deutschen.

Am Dienstag sorgte der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Fritz Dinkhauser für Wirbel. Er hatte zur Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt bemerkt: „Wir haben gedacht, der Feind kommt aus dem Osten. Doch in Wahrheit kommt er auch vom Westen und aus dem Norden.“ Darf man die Deutschen als Feinde bezeichnen, weil sie als Billiglöhner in der Tourismuswirtschaft arbeiten? Es regnete Rücktrittsforderungen an Dinkhauser – schließlich kämen nach wie vor zehn Millionen deutsche Urlauber pro Jahr nach Österreich – und auch wenn heuer weniger kommen als in den Jahren zu vor, schadet Dinkhausers Spruch nicht doch dem Image?

Erst am Freitag gab es dann eine positive Meldung. Der Fußballer Steffen Hoffmann, Kapitän von Rapid Wien, gebürtiger Franke und im Vorjahr bester Spieler der österreichischen Bundesliga, gab bekannt, dass er um die österreichische Staatsbürgerschaft gebeten hat. Bereits im August wird er im österreichischen Nationalteam spielen. Diesen talentierten Arbeitnehmer wollen die Österreicher gerne.

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