Meinung : … Österreich

Markus Huber

Am 1. Oktober wird in Österreich ein neuer Nationalrat gewählt, und der Ausgang dieses Rennens mag für die Chefs der beiden Großparteien, die sich nach der Wahl wahrscheinlich zu einer großen Koalition finden werden, auch ganz interessant sein. Für den Spaß sorgt aber eine Auseinandersetzung, die sich andernorts abspielt: Ganz unten in der Beliebtheitsskala, im Match zwischen der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ (FPÖ) und Jörg Haiders „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ). Es ist das Rennen um Platz vier, die einen liegen derzeit in den Umfragen bei sechs Prozent, die anderen bei knapp drei, sind also sogar meilenweit hinter den Grünen. In Fußballmaßstäben gemessen ist es Abstiegskampf pur.

Und dabei, wir wissen es aus der Bundesliga, herrschen eigene Gesetze. Zur Erinnerung: Erst vor 18 Monaten hatte sich Jörg Haider mit seiner Ministermannschaft von der FPÖ abgespalten, die er zuvor 20 Jahre dominiert hatte. Wochenlange Grabenkämpfe zwischen den Hardlinern der Wiener FPÖ und Haiders gemäßigter Truppe waren der Abspaltung vorausgegangen, und nach der Trennung von den ganz Nationalen wollte Haider mit der FPÖ nichts mehr zu tun haben. Er und seine Gefolgsleute waren keine Freiheitlichen mehr, sie versuchten, sich inhaltlich und auch optisch von der alten FPÖ abzugrenzen, und wollten mit dem BZÖ (Parteifarbe: Ukraine- Orange) und ihrem Parteichef Peter Westenthaler eine neue, ernstzunehmende Kraft darstellen.

Dummerweise wollte das der Wähler bei gleich drei Regionalwahlen nicht, bei denen das BZÖ chancenlos blieb. Und nun, vor der Nationalratswahl, ist alles wieder anders: Das BZÖ will nun mit folgender Bezeichnung am Wahlzettel vertreten sein: „Die Freiheitlichen – Liste Westenthaler – BZÖ“. Als wäre das nicht schon irritierend genug, haben die Parteistrategen auf den Wahlplakaten die Farbe Orange fast komplett verbannt und setzen wieder auf das deutschnationale Kornblumen-Blau. Um die Verwirrung komplett zu machen, prangt auf den Plakaten auch noch der Zusatz „Das Original“. Die eigentlich originale FPÖ-Führung, die nach Haiders Absprung die Partei übernommen hatte, will das verhindern und versucht nun, mit einer einstweiligen Verfügung den Namen „Die Freiheitlichen“ schützen zu lassen. Darüber hinaus streiten die beiden Parteien auch noch um den Listenplatz auf dem offiziellen Stimmzettel für die Wahl. Sowohl FPÖ als auch BZÖ reklamieren den dritten Listenplatz für sich, weil beide angeben, der Nachfolger jener Partei zu sein, die bei den Wahlen 2002 drittstärkste Kraft geworden war. Zumindest diesen Streit wird es bei den übernächsten Wahlen wohl nicht mehr geben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben