Meinung : … Rimini

Frederik Hanssen

über Ratzingers Rolle bei der Rettung der Riviera Eigentlich sind die Billigflieger an der ganzen Misere schuld: Nach Bergamo und Venedig, nach Pisa, Neapel und Rom, auf die Inseln Sizilien und Sardinien kann man für wenig Geld zum Beispiel von Berlin-Schönefeld starten, wenn einen die Sehnsucht nach dem Süden packt. Aber nicht an die Adria. Ausgerechnet das Zentrum nachkriegsdeutscher Italienbegeisterung hat bislang keine der diversen lowcost-Airlines im Programm. Sehr zum Leidwesen der örtlichen Hotel- und Gaststättenbetreiber. Seit Jahren sinkt zwischen Porto Garibaldi und Riccione nun schon die Zahl der sommerlichen Besucher aus der Bundesrepublik. Zwar machen die Deutschen immer noch den dicksten Batzen des nationalen Fremdenverkehrsvolumens aus, nämlich ganze 23 Prozent. Nur geben sie ihre 260 Millionen Euro pro Jahr mittlerweile in anderen Regionen von bella Italia aus.

Nun aber keimt Hoffnung auf an der Riviera: Papa Ratzi soll’s richten! Dank des Deutschen auf dem Heiligen Stuhl im Vatikan, so hoffen die örtlichen Fremdenverkehrsmanager, werden die tedeschi jetzt endlich wieder an die Adria kommen. Joseph Ratzinger, frohlockte in Ravenna die Lokalausgabe der Bologneser Tageszeitung „Il resto del Carlino“, habe jetzt schon ein Wunder gewirkt – wenn auch ein theoretisches. Benedetto XVI., der Trumpf im Ärmel der italienischen Tourismusindustrie.

In Cervia, wo der Exodus der deutschen Urlauber besonders schmerzhaft zu spüren war, hat Nevio Salembini bereits das „Pacchetto Ratzinger“ erfunden: Das päpstliche Pauschalangebot soll neben dem Sonnenbad am Meer auch einen Ausflug zum Vatikan enthalten. Dank der neuen, schnellen Bahnverbindung kommt man von Ravenna ruckzuck nach Rom – und da Benedetto XVI. seine Generalaudienz stets mittwochs abhält, wären die Besucher dann zum Wochenende wieder zurück am Strand. Ein All-Inclusive-Urlaub für Leute, die ein dicht gedrängtes Programm mögen: Erst Hüfte an Hüfte auf den Miet-Liegestühlen, dann Schulter an Schulter auf dem Petersplatz.

Bereits für die Sommersaison 2005 will Salembini die Aktion den Reiseveranstaltern nördlich der Alpen schmackhaft machen. „Ab dann“, glaubt der findige Tourismusmanager, „wird der Heilige Geist schon von alleine wirken.“ Vor allem auf Joseph Ratzingers Landsleute aus dem nahen Bayern hat er es dabei abgesehen. Das neue Mode-Reiseziel der zweigleisig reisenden Adabeis steht jedenfalls jetzt schon fest: Riminis Nachbarstadt Cattolica natürlich!

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