Meinung : … Spanien

Ralph Schulze

über den Kampf gegen den Straßenstrich Wohl nirgendwo in Europa gibt es so viele Prostituierte wie in Spanien. Rund 400 000 Dirnen buhlen unter der spanischen Sonne um Freier in einem Land, das gut 40 Millionen Einwohner hat. Das ist rekordverdächtig, und die Behörden sorgen sich, dass Spanien zum europäischen Zentrum der käuflichen Liebe werden könnte. In den Städten regt sich immer mehr Protest der Bürger, die den lebhaften Straßenstrich vor ihrer Hautür nicht mehr mit ansehen wollen. Die nordspanische Metropole Barcelona spielt nun den Vorreiter und will von kommendem Jahr an die Straßenprostitution verbieten. Um den Bürgerfrieden und die öffentliche Ordnung in der City zu sichern.

„Eine Schande ist das“, erregt sich Xavi, ein junger Angestellter in der Stadt. „Es kann doch nicht sein, dass meine Freundin auf der Straße auf mich wartet, und ständig fragen sie irgendwelche Typen, wie viel es kostet.“ Damit soll nun Schluss sein, wenigstens in Barcelona, wo rund 1,6 Millionen Menschen leben. Straßendirnen wie auch ihre Freier sollen künftig mit bis zu 500 Euro belangt werden. Die Gewerkschaft der „Sexarbeiterinnen“ warnt derweil: „Die Repression schafft nicht die Prostitution ab“, sondern liefere die Frauen nur noch mehr den brutalen Zuhältern aus.

Auch andernorts, wie etwa auf den Ferieninseln Mallorca und Ibiza, wird der Straßenprostitution zunehmend der Kampf angesagt. In vielen Urlaubsorten sollen käufliche Liebesdienste künftig als „illegale geschäftliche Tätigkeit“ geahndet werden. Die Freier, auf den Ferieninseln überwiegend Urlauber, sollen übrigens nicht belangt werden.

„Doppelmoral“ wirft Cristina Garaizabal, Sprecherin des regionalen Hurenverbandes, den Politikern vor. „Auf der Straße will man die Prostituierten sicht sehen. Aber man hat kein Problem damit, dass sie in Bordellen ausgebeutet werden.“

Spaniens Polizei berichtet von einer „Zunahme krimineller Gruppen“, die diesen Markt des menschlichen Fleisches kontrollieren und nicht selten die von ihnen abhängigen Frauen an andere Zuhälter „wie Vieh verkaufen“. Jose Aguayo, Präsident des nationalen Verbandes der Bordellbesitzer, bemüht sich derweil, den Ruf seines Gewerbes aufzubessern und sich als Menschenfreund zu profilieren. Aguayo, der sich selbst als „Geschäftsmann und Anhänger der Familie“ definiert, fordert die rechtliche Legalisierung des Sexgewerbes. Und er sagt, er bemühe sich wirklich, „die Frauen, die in meinen Lokalen arbeiten, zu schützen“.

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