Meinung : … Südafrika

Wolfgang Drechsler über den Weinimport ans Kap und die überraschenden Nöte der Goldminen

Über Jahre war der Rand für Karikaturisten ein dankbares Objekt: Fast ausnahmslos wurde Südafrikas Währung als Schwächling dargestellt, den zwei Muskelprotze – der Dollar und die D-Mark – übel zurichten. Ihren Höhepunkt erreichten Hohn und Spott im Dezember 2001, als der Rand auf 14 Rand je Dollar stürzte.

Jetzt aber hat er Muskeln bekommen und wirkt wie gedopt. „The rand on steroids“ jubeln stolz die nationalen Gazetten. Zur Monatsmitte mussten Südafrikaner erstmals seit fast sechs Jahren weniger als sechs Rand für einen Dollar zahlen. In nur 30 Monaten kam es zu über 70 Prozent Aufwertung. Keine andere Währung behauptete sich derart gegenüber dem Dollar. Über die Gründe wird gestritten. Hauptursache sind wohl die hohen Rohstoffpreise, von denen Südafrika genauso wie andere Bergbauländer kräftig profitiert. Rohstoffe machen fast 40 Prozent der Ausfuhrerlöse aus. Anderen Exporteuren beschert der starke Rand Sorgenfalten, zum Beispiel der Goldbranche. Die Kosten für Löhne und Abbau in zum Teil über 4000 Meter Tiefe sind gestiegen, bezahlt wird das Edelmetall jedoch in schwachen Dollars. Beim gegenwärtigen Umtauschkurs schreiben mehr als die Hälfte der Minen Verluste.

Ebenso leiden der Frucht- und der Weinexport. In den zehn Jahren seit dem Ende der Apartheid hatten sie immer neue Rekorde gebrochen. Jetzt geraten viele Weingüter durch billigere Importe aus Chile oder Deutschland unter Druck. Zentralbank und Regierung werden gedrängt, die letzten Devisenkontrollen zu beseitigen, bisher vergeblich.

Der Rand außer Rand und Band: Das hat auch seine Vorteile. Viel zu lange haben Unternehmen automatisch auf eine fallende Währung gesetzt. Plötzlich müssen sie mühsam um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen – was die Effizienz steigert. Die günstigen Importpreise für Computer, Hi-Fi-Geräte und Luxusgüter haben zudem einen Konsumrausch am Kap ausgelöst, von dem deutsche Einzelhändler derzeit nur träumen können.

Noch mehr als über die Stärke des Rand klagt die Geschäftswelt indes über die extremen Währungsschwankungen. Allein in diesem Jahr lag die Bandbreite zwischen Hoch und Tief bei mehr als 20 Prozent. Über die jüngsten beiden Jahre waren es gar über 40 Prozent. Die Karikaturisten jubeln über die Drehung des Themas, die Wirtschaft rauft sich die Haare. Sie wünscht sich nach der Achterbahnfahrt weder einen Schwächling noch einen Muskelprotz, sondern einen berechenbaren Burschen mit etwas Widerstandskraft.

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