Meinung : … Südafrika

Wolfgangr Drechsler

über Nelson Mandelas Reaktion auf den Aids-Tod seines Sohnes Eigentlich wollte er sich letztes Jahr in den endgültigen Ruhestand zurückziehen. „Don’t call me, I call you“, hatte Nelson Mandela, Afrikas berühmtester Sohn, auf seiner letzten großen Pressekonferenz den Journalisten mit einem Augenzwinkern zugerufen. Er hielt Wort: Völlig unerwartet rief der Expräsident Südafrikas am Donnerstag die Presse in seiner Johannesburger Privatvilla zusammen. Auf einen Stock gestützt und vom Kummer gezeichnet, bestätigte Mandela dort, was viele zwar geahnt, aber nicht zu schreiben gewagt hatten: dass sein 54-jähriger Sohn Makgatho am frühen Donnerstag an Aids gestorben war. Bezeichnenderweise verkündete Mandela die Todesursache in seiner Stammessprache Xhosa, weil er befürchtete, dass die von der Krankheit besonders Betroffenen seine Botschaft sonst womöglich nicht verstehen würden. „Mit der Zeit werden wir erkennen, wie wichtig es ist, offen über Aids zu sprechen und dadurch das mit der Krankheit verbundene Tabu zu brechen“, sagte der 86-Jährige. Mandela selbst hat seit Jahren einen offeneren Umgang mit der Immunschwächekrankheit angemahnt – lange bevor er auch nur ahnte, dass seine Familie direkt betroffen sein könnte.

Mandelas Offenheit ist umso mutiger, als überall auf dem Schwarzen Kontinent noch immer wilde Hypothesen über den Ursprung von Aids kursieren. Wer das mit der Krankheit verbundene Stigma kennt, konnte sich auch nicht über die jüngsten Äußerungen der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai wundern, die behauptet, Aids sei zur „Zerstörung der schwarzen Rasse “ in westlichen Labors erfunden worden. Die gängige Lehrmeinung über die Entstehung des Virus und seine in Afrika fast ausschließlich sexuelle Übertragung vermag die promovierte Biologin ebenso wenig wie Südafrikas Präsident Thabo Mbeki zu akzeptieren. Der wittert hinter allem ein Komplott des US-Geheimdienstes CIA und westlicher Pharmafirmen. Von Journalisten umringt, wollte Mandela die verheerende Aids-Politik der eigenen Regierung am Kap letzte Woche indes nicht kommentieren. Auch am Tag des Schmerzes zog er es vor, „sich hinter die Herde zu stellen“, weil dort, wie er meint, der Platz eines Anführers ist. Man hätte gerade Mandela nach 27 Jahren Haft einen weniger leidvollen Lebensabend gegönnt: Die zweite Ehe mit Winnie Mandela zerbrach, und letztes Jahr starb seine erste Frau Evelyn. Insgesamt hatte Mandela aus den beiden Ehen sechs Kinder. Nur drei Töchter sind nun noch am Leben. Ein Mädchen starb im Säuglingsalter, Nelsons Mandelas zweiter Sohn Thembekile kam 1969 bei einem Autounfall ums Leben.

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