Meinung : … Südafrika

Wolfgang Drechsler

erklärt, warum die regierende ANC-Partei Städte und Straßen umbenennen will Was steckt in einem Namen?“, fragte einst William Shakespeare in „Romeo und Julia“ und kam zu dem Schluss: nicht viel. Südafrikaner sind da anderer Meinung. Hier hat das Bestreben der schwarzen Regierung, die nach weißen Siedlern oder Apartheid-Politikern benannten Städte zu afrikanisieren, einen Sturm der Entrüstung entfacht. Nach einem Beschluss seines schwarzen Stadtrats soll zum Beispiel die nach dem Burenführer Andries Pretorius benannte Hauptstadt Pretoria künftig Tschwane heißen – übersetzt: „Wir sind alle gleich“. Die von oben verordnete Eintracht wird von den Nachfahren der Voortrekker schon deshalb als Affront empfunden, weil die Umbenennungen ohne echte Konsultation erfolgen. Zudem sollen nun auch noch 17 nach burischen Volkshelden benannte Straßen in der Innenstadt die Namen schwarzer Widerstandskämpfer erhalten. Nur das heruntergekommene Zentrum soll weiter Pretoria heißen. Gut ein Jahrzehnt nach dem politischen Gezeitenwechsel am Kap beginnt der regierende ANC damit, die Symbole der jahrhundertelangen weißen Vorherrschaft zu tilgen. Insgesamt werden zurzeit rund 57000 Namen auf ihre politische Korrektheit überprüft, darunter eine Reihe rassisch anstößiger wie Kafferkop (Kafferkopf), aber auch neutrale Bezeichnungen wie Olifant river (Elefantenfluss).

Anders als bei der bisher einzig größeren Namensänderung vor zwei Jahren, als die Provinz Nordtransvaal in Limpopo umbenannt wurde, ist diesmal nicht mit einer stillen Kapitulation der Weißen zu rechnen. Die burischen Blätter sind voll wütender Leserbriefe. Viele beklagen, sich im eigenen Land zunehmend wie Fremde zu fühlen. Empört über das willkürliche Vorgehen des ANC hat der burische Autor und Aktivist Dan Roodt zu einem „neuen Kampf um Pretoria“ aufgerufen und die weißen Bürger der Stadt, die rund 80 Prozent der Steuerlast tragen, zum Abgaben-Boykott gedrängt. Für Roodt geht es in der Namensfrage um die Zukunft der Weißen. Er kritisiert weniger die hohen Kosten der Umbenennung als vielmehr den „direkten Angriff auf das weiße Kulturerbe “. „Ein Land kann seine Geschichte nicht dadurch umschreiben, dass es sie auszulöschen versucht“, schäumt er. Eine von Roodt geforderte Bürgerbefragung könnte in der Tat für eine Überraschung sorgen: In einer Erhebung der Wirtschaftszeitung „Business Day “ im Jahr 2003 erklärten neun von zehn Südafrikanern, die Regierung solle Stadtnamen nicht nach eigenem Gutdünken ändern. Fast 60 Prozent sprachen sich gar gegen irgendwelche Änderungen aus.

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