Meinung : … Tschechien

Kilian Kirchgeßner

An gesundem Selbstbewusstsein, das wissen alle Tschechen, mangelt es ihrem Staatspräsidenten Vaclav Klaus am wenigsten. So richtig lebt Klaus erst dann auf, wenn die ganze Welt gegen ihn steht. Sein neues Lieblingsthema ist der Klimawandel – besser gesagt: die „sogenannte Erderwärmung“, die eine Erfindung von „Ökoextremisten und Hysterikern“ sei. Damit diese Botschaft auch wirklich bei allen ankommt, hat Klaus in dieser Woche ein Buch vorgestellt, dessen Titel sperrig, aber unmissverständlich ist: „Blauer, nicht grüner Planet. Was ist bedroht: Klima oder Freiheit?“

Die Argumentationslinie des Präsidenten, eines studierten Volkswirtes, ist denkbar einfach: Erstens gebe es die Erderwärmung nicht – und wenn doch, könne der Mensch nichts dafür. Zudem sei das nicht weiter bedrohlich: Selbst wenn bald ein paar Landstriche versinken, taue dafür schließlich Sibirien auf. Dort könne man dann Obst und Gemüse anbauen. „Ich sehe als Schlüsselthema unserer Zeit die Freiheit und ihre Einschränkung durch Angriffe von verschiedenen Seiten“, sagte Klaus bei der Vorstellung seines Buches. Der Wirbel um den Klimawandel sei ein solcher Angriff und müsse deshalb gestoppt werden.

In Tschechien ist der Präsident mit seinem neuen Paradethema allgegenwärtig. In ganz Prag blickt er mit besorgter Mine von Plakatwänden, in TV-Sendungen und Talkshows verbreitet er seine Thesen. Das Buch, so scheint es, muss um jeden Preis zum Bestseller werden.

Trotz oder gerade wegen seiner Thesen ist Vaclav Klaus seit Jahren der beliebteste Politiker seines Landes. In den Augen vieler Tschechen macht er das Leben jetzt einfacher. Fahren wir ruhig weiter Auto, ändern wir nichts an unseren Gewohnheiten, denken jetzt viele– schließlich sagt sogar der Präsident, dass alle diese Klimaforscher falsch liegen.

Mit Hohn und Spott überziehen indes die Umweltschützer den Präsidenten. Auf einer Demonstration verkleidete sich ein Aktivist als Vaclav Klaus und sagte im gleichen dozierenden Tonfall wie der echte Präsident: „Die Erde ist eine Scheibe, und wer das Gegenteil behauptet, ist nicht ganz klar bei Verstand.“ Im Prinzip, so die Umweltschützer, könne man die Theorien von Vaclav Klaus nur mit Galgenhumor hinnehmen. „Wir sind wie die Gallier bei Asterix und Obelix in ihrem völlig isolierten Dorf“, sagen sie: „Wir sind uneinnehmbar!“

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