13. August 1961 : Mit den besten Voraussetzungen

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Bei derartigen Anlässen wird ja gerne davon gesprochen, dass nun ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen werde. Nun, der Bundespräsident hat zum 50. Jahrestag des Mauerbaus gesprochen – und klugerweise solche und ähnliche Phrasen bewusst gemieden. Richtig aber bleibt, dass er mit dem Aufbau seiner Rede eine Brücke geschlagen hat: vom todtraurigen Gestern zu einem Morgen, für das wir Deutsche die besten Voraussetzungen haben. Eigentlich. Wenn wir uns über diesen Tag hinaus immer neu darauf besinnen, welches Glück Einigkeit und Recht und Freiheit bedeuten.

Die Vielfalt, die Demokratie zulässt, die geradezu ihr Urgrund ist, muss unter den Bedingungen von heute nicht nur besungen, sondern gelebt werden. Muss von denen, die dazu berufen sind, vorgelebt werden. Ins Offene zu gehen, das hat Christian Wulff mindestens all denen ins Gewissen geredet, die da bei der zentralen Gedenkveranstaltung vor ihm saßen, ob Kanzlerin oder andere Regierende.

Die Brücke, die wir also gemeinsam betreten sollen, ist tragfest. Der Mut zum Wandel – erst durch Annäherung, dann durch Aufbruch – ist nachgewiesen. Die vielen Wenden dieser Tage, innenpolitisch, die vielen Revolten, außenpolitisch, die Gefahr für ein geeintes Europa, alles das ist eine neue Herausforderung und zugleich eine harte Prüfung. Sind wir von der Gesinnung her die Bürger, die wir sein wollen? Sind wir eine stetig sich weiterentwickelnde Zivilgesellschaft?

Das Gemeinwesen erfordert, dass wir uns bereitfinden, der Solidarität gute Dienste zu leisten. Vor allem bei dem, was vor Deutschland liegt. Das ist kein umstürzlerischer Gedanke – es ist nur ein grundlegender. Wenn er bei einem derartigen Anlass so durchdacht vorgebracht wird wie jetzt vom Bundespräsidenten, muss dem Einzelnen nicht Angst werden und den Nachbarn nah und fern nicht bange. Das ist aber wirklich ein neues Kapitel der deutschen Geschichte.

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