16 Gründe : Warum die Piraten nicht zu stoppen sind

Sie sind neu, sie brechen Tabus und sie entsprechen dem antipolitischen Zeitgeist. Unser Kolumnist Christoph Seils erklärt anhand dieser und 13 weiterer Gründe, warum die Piratenpartei so erfolgreich ist.

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In voller Fahrt. Die Piraten (Hier ein Bild aus dem Jahr 2009) nehmen inzwischen Kurs auf den Bundestag. Foto: dpa
In voller Fahrt. Die Piraten (Hier ein Bild aus dem Jahr 2009) nehmen inzwischen Kurs auf den Bundestag.Foto: dpa

Auch auf ihrem Parteitag in Neumünster hat sich wieder gezeigt, die Piraten haben kein Programm, keine schlagkräftige Organisation und keine Strategie. Trotzdem ist der Piraten-Hype ungebrochen, in Umfragen kommen sie auf bis zu 13 Prozent. Der Einzug in die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen scheint sicher zu sein. Längst hat die Piratenkogge Kurs auf den Bundestag genommen. Etablierten Parteien können machen was sie wollen, jede Kritik prallt von der jungen Partei und ihren Anhängern ab. Die Piraten haben einen Lauf und fast scheint es, als könnten sie nicht einmal über sich selber stolpern.

Die Gründe für den überraschenden Erfolg sind vielfältig.

1. Die Piraten sind neu

Die Piraten sind eine junge Partei. Ihr Erfolg bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September vergangenen Jahres kam völlig überraschend. Seit dem sind sie in aller Munde. Die Wähler sind neugierig und entschuldigen fast jeden Anfängerfehler.

2. Die Piraten sind sympathisch unprofessionell

Die etablierten Parteien sind professionelle Marketingmaschinen. Kampagnen werden bis zum letzten Komma perfekt inszeniert. Dagegen wirken die unbeholfenen Piraten mit ihrer improvisierten Öffentlichkeitsarbeit und manchem Dilettantismus richtig liebenswert.

 3. Piraten nehmen das politische System auf die Schippe

„Vertrau keinem Plakat“ heißt es auf einem der erfolgreichen Wahlkampfplakate der Piraten, mit dem sie die Materialschlacht in Wahlkämpfen und auch sich selbst ironisieren.

4. Die Piraten bieten eine niedrige Schwelle für Politeinsteiger

Piraten funktionieren wie ein Franchise-Unternehmen. Jeder kann mitmachen. Eine orangene Fahne reicht, schon ist man Partei. Eine stotterfreie Rede reicht für die Wahl in den Vorstand. Aber auch verborgene politische Talente erhalten plötzlich ihre Chance.

5. Die Piraten bedienen die Klaviatur des Populismus

Die Piraten versprechen alles. Kostenlose Downloads, kostenlosen Nahverkehr und bedingungsloses Grundeinkommen. Da lässt sich so mancher Wähler billig ködern.

6. Die Piraten sanktionieren den kollektiven Rechtsbruch

Urheberrechtsverletzungen sind im Internet Volkssport. Die Piraten legitimieren dies politisch und präsentieren mit der Content-Industrie gleich noch einen übermächtigen Feind, gegen den alles erlaubt scheint.

Bildergalerie: Der Piraten-Parteitag in Neumünster

Bundesparteitag der Piraten in Neumünster
Zweimal ist Julia Schramm bei einer Wahl in den Bundesvorstand der Piraten am Wochenende gescheitert - im dritten Anlauf hat es nun knapp gelangt. Hier sitzt sie neben dem neuen Parteichef Bernd Schlömer. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: dapd
29.04.2012 12:48Zweimal ist Julia Schramm bei einer Wahl in den Bundesvorstand der Piraten am Wochenende gescheitert - im dritten Anlauf hat es...

7. Die Piraten interessieren sich nicht für die politischen Schlachten der etablierten Parteien.

Worüber wird in Deutschland nicht alles gestritten. Über Atomausstieg, Betreuungsgeld und Mindestlohn, Europa und Afghanistan. Doch selbst aus ihrem Desinteresse machen die Piraten keinen Hehl, stattdessen erklären sie selbstbewusst: Wir haben keine Antworten, sondern Fragen.

8. Viele Wähler sind politisch heimatlos

Die traditionellen Parteienbindungen sind erodiert. Viele Wähler sind auf der Suche, da probiert man gerne auch mal die Neuen aus.

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