50 Jahre Nasa : Von höherer Warte

Die Raumfahrt hat nicht alle Versprechen eingelöst, lohnt sich aber. Sie zeigt uns, wie es draußen im All wirklich zugeht und lenkt den Blick zurück zur Erde.

Ralf Nestler

Wir leben auf der Erde. Und nur hier. Menschen gibt es weder auf dem Mond, noch auf dem Mars. Das aber hatten nicht wenige vorhergesagt, damals vor einem halben Jahrhundert. In jener Zeit herrschte eine wahre Weltraumeuphorie. Im Oktober 1957 gelingt es der Sowjetunion, einen Satelliten ins All zu schießen, vier Monate später kreist auch eine amerikanische Sonde um die Erde. Im Juli 1958 dann wird die US-Weltraumbehörde Nasa gegründet, um die Raumfahrt richtig nach vorn zu bringen. Heute, 50 Jahre später, ist noch immer kein Mensch zum Mars geflogen und auf dem Mond ist seit 35 Jahren keiner gewesen.

Eine Enttäuschung ist die Raumfahrt dennoch nicht. Sie hat gezeigt, wie es wirklich zugeht da draußen im All, hat uns gewissermaßen geerdet. Anders als in Science-Fiction-Filmen suggeriert, ist das Leben im Weltraum keineswegs schwere- und lautlos.

Damit Menschen auf der internationalen Raumstation ISS überleben, ist ein gewaltiger Maschinenpark vonnöten. Die Astronauten sind einem Lärm von knapp 80 Dezibel ausgesetzt, etwa so laut wie das Heulen eines Staubsaugers. Bei einem Außeneinsatz im All schweben die Raumfahrer zwar, müssen aber mit aller Kraft gegen den steifen Raumanzug ankämpfen, um sich bewegen zu können.

Doch warum tun sich Menschen so etwas an? Der deutsche Astronaut Thomas Reiter hat einmal gesagt, dass die Suche nach Neuem, die Erforschung des Unbekannten eine zutiefst menschliche Eigenschaft sei. So wie sich Columbus, Magellan und Cook aufmachten, um neue Schifffahrtswege und Länder zu finden, so wolle der Mensch noch heute seinen Horizont erweitern und fliege deshalb ins All.

Natürlich erwartet man von einem Astronauten eine positive Einstellung gegenüber seinem Job. Den macht er aber nicht allein. Wenn er oder sein Kollege Hans Schlegel in den Weltraum aussteigen, verfolgen das Millionen Menschen. So mancher wird sich bei diesem Bild – Astronaut im weißen Anzug zwischen blauer Erde und schwarzem Weltall – fragen, wie sich das wohl anfühlen mag. An diesem Punkt sind die Forschungen des Astronauten genauso wichtig und überflüssig für die Menschheit wie die des Kernphysikers.

Damit erübrigt sich die Diskussion über die Milliardenbeträge, die in die Raumfahrt investiert werden. Weder Satelliten-TV noch Materialien, die aus Wärme Strom erzeugen, rechtfertigen den Aufwand. Auch die Umsätze der hierzulande starken Raumfahrtindustrie gleichen ihn nicht aus. Wenn man aber den Willen hinzuzieht, Unbekanntes zu erkunden, dann lohnt sich Raumfahrt allemal.

Sie hat noch mehr geschafft. Sie hat nicht nur den Blick nach außen erweitert, sondern lenkt ihn auch zurück zur Erde. Ohne Raumfahrt würde es die faszinierenden Bilder des blauen Planeten nicht geben. Ohne Raumfahrt würden wir noch immer glauben, die Menschheit könne mit geringem Aufwand andere Planeten besiedeln. Nun können wir besser begreifen, was es bedeutet, auf der Erde zu leben.

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