Meinung : 80 Jahre Einsamkeit

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG

-

Es sind keine großen Überraschungen, mit denen das Statistische Jahrbuch aufwartet. Deutschland altert, ist kinderarm und holt rasant auf bei Handys und Computern. Trotzdem ist die Vorlage der neuen Zahlen ein dramatischer Appell für eine rasche und konsequente Gangart bei den Sozialreformen. Denn das Jahrbuch bestätigt nicht nur die bekannten Grundtrends, es legt auch den Finger darauf, dass die Bevölkerungsalterung, einmal in Gang gekommen, sich von Jahr zu Jahr beschleunigt. Im Jahr 2050 wird fast die Hälfte der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein, 12 Prozent davon über 80. Solche Zahlen gleiten inzwischen an uns ab; eine Vorstellung vom Leben in einer Gesellschaft mit dieser Alterstruktur kann sich in Wahrheit niemand machen. Wie viele Kinder werden in zwanzig Jahren geboren, wenn die Entwicklung der letzten 40 Jahre sich fortsetzt: 1,36 Millionen Geburten im Jahr 1964; im Jahr 2002 eine Zahl von 720 000, gerade noch knapp mehr als die Hälfte. Im letzten Jahr haben die Statistiker 122 000 weniger Geburten als Sterbefälle registriert; für das Jahr 2050 wird das Geburtendefizit über 500 000 liegen. Der Trend in Deutschland ist der EinPersonen-Haushalt, wissen die obersten Statistiker, nur noch in einem Drittel der Haushalte leben Kinder. Der Anteil Alleinerziehender ist dabei steigend. Alles zusammen nicht weniger als eine Bevölkerungsrevolution, auf die wir uns ökonomisch und sozial einstellen können – die emotionalen Kosten bleiben unabsehbar. cha

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben