Ab in den Urlaub! : Staatsprämie für Ferien in Griechenland

18.07.2012 00:00 Uhrvon
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann hätte gern weitere große Olympia-Momente mit Ringern.  Foto: Tagesspiegel
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann hätte gern weitere große Olympia-Momente mit Ringern. - Foto: Tagesspiegel

Eine gute Idee? Auf Staatskosten in den Urlaub nach Griechenland - das fordern zwei FDP-Politiker angesichts des schlechten Wetters. Unser Kolumnist Helmut Schümann wundert sich.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung findet der Mann, der Mittfünfziger mit den weitläufigen Geheimratsecken und der Brille im Gesicht, diesen Sommer ganz wunderbar. Am Rande, liebe, gute Leserin N.: Der Mittfünfziger hat gar keine Probleme mit den Geheimratsecken, es läuft halt, wie es läuft in der Natur, dankt aber trotzdem für den Hinweis, „Kera Tonia Haar Vitaltropfen“ einzuträufeln. Zurück zum Sommer, dem wunderbaren. Diese dramatischen Himmel, dieser Trommelwirbel, wenn Urströme sich auf Markisen ergießen, unter denen man im Trockenen sitzt, oh, wie schön ist es, wenn die Natur ihren Lauf nimmt. Deswegen ist der Mittfünfziger, s.

o., auch gänzlich unempfänglich für die Vorschläge von Jorgo Chatzimarkakis und Erwin Lotter.

Die beiden sind Politiker, der eine im Europaparlament, der andere im Bundestag und beide in der FDP. Zur Erinnerung und für die Jüngeren: Die FDP ist jene Kleinstpartei, die eigentlich BWL heißt und die keiner mehr kennt, warum auch? Vielleicht haben Jorge Chatzimarkakis und Erwin Lotter (nicht im Entferntesten verwandt oder verschwägert mit Erwin Lottemann, dem Besitzer einer Herren- Boutique in Wuppertal) deshalb den Vorschlag gemacht, Staatsprämien für einen Urlaub in Griechenland auszugeben. Nun sind Staatsprämien dem Liberalismus eigentlich, was der Regen dem Feuer ist oder das Weihwasser dem Teufel, aber wenn sie dazu dient, die FDP der Lächerlichkeit preiszugeben, begrüßt der Mittfünfziger die Staatsprämie nicht mal klammheimlich, sondern ausdrücklich.

Kann man die staatlichen Zuschüsse ausdehnen? Oder sind sie nur auf Griechenland beschränkt? Spaniens Wirtschaft könnte auch angekurbelt werden durch Urlauber, die vom Staat gepampert wurden. Portugal ist ein Kandidat, und was ist mit Rumänien? Warum nicht mal nach Rumänien fahren? Es ist natürlich zu regeln, was mit jenen Urlaubern geschieht, die bereits in Urlaub waren. Die haben ein Recht auf rückwirkende Zahlungen. Und gestaffelt gehört der Urlauberfinanzausgleich auch, wobei Rumänien den höchsten Satz bekommt. Derweil dann alle auf Staatskosten in die Ferne schweifen, um dort die Wirtschaft anzukurbeln, sitzt der Mittfünfziger zu Hause, bestaunt dramatische Himmel, genießt die FDP und diesen wunderbaren Sommer.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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