Meinung : Aber bitte, nach dir

Kaum zu überhören in der SPD: Signale der Versöhnung

Stephan-Andreas Casdorff

Jetzt, nach dem Gebrüll wegen der vergeigten Generalsekretärswahl, fällt die Wahl der Worte in der SPD geradezu feinsinnig aus. Alles wird geboten, von Ironie bis zur ernst zu nehmenden Andeutung. Nur ironisch zu werten ist beispielsweise der Satz des niedersächsischen Fraktionschefs Sigmar Gabriel, er habe „bekanntermaßen ein gutes Verhältnis“ zu Kanzler Gerhard Schröder, das sich auch durch die Ereignisse der vergangenen Tage nicht geändert habe. Ja, anders konnte es nicht mehr werden, denn fertig machen muss Schröder die Niedersachsen nicht mehr, die haben seit ihrer Wahl im Februar fertig. Das wirkt auch nach im Verhältnis: Schröder ist nach wie vor Kanzler, Gabriel jetzt Oppositionsführer. Eine Hoffnung weniger.

Ernst zu nehmen sind die Signale zur allgemeinen Aussöhnung nichtsdestotrotz. Gabriel geht – wie man in Schröders Altersklasse zu sagen pflegt – „den unteren Weg“. Das muss dem SPD-Chef doch alles in allem gefallen: Gabriel betont sein freundschaftliches Verhältnis zu Olaf Scholz; er spricht über seine eigene Eignung für Führungspositionen in der Partei zwar seiner selbst bewusst, aber nicht zu aufdringlich; und er sagt, dass die jüngeren Sozialdemokraten „auf keinen Fall gegeneinander antreten dürften“. Erst nächste Woche will Gabriel über seine Kandidatur fürs Präsidium entscheiden, nach Gesprächen.

Darin liegt die Andeutung, das ist die Botschaft: Wichtig ist, dass der aufrückt, der dieses Signal der Aufwertung nötiger als der andere braucht. Praktizierte Solidarität? Das wäre was. Und es wird eng, bei fünf Plätzen in der engeren Führung, die zu vergeben sind. Noch dazu, wenn drei der fünf Plätze von Frauen besetzt werden sollen, von Edelgard Bulmahn, Andrea Nahles, Bärbel Dieckmann. Blieben zwei Plätze für Männer bei vier Bewerbern: Hans Eichel, Harald Schartau, Sigmar Gabriel, Christoph Matschie. Schartau, der NRW-Vorsitzende, wird auch wegen der Bedeutung seiner Wahlen „gesetzt“ werden. Bleibt ein Platz. Wer ihn nötig braucht? Der junge Thüringer Christoph Matschie; auch ihm stehen Wahlen bevor.

Daran, wie die anderen Bewerber mit dieser Tatsache umgehen, wird sich ermessen lassen, ob es für die Einzelnen doch etwas gibt, das wichtiger ist als sie selbst. Vielleicht erlebt der SPD-Vorsitzende ja positive Überraschungen. Wenn nicht, dann hat er durchaus Grund, sauer zu werden. Diesmal im Vorstand. Bei geschlossenen Türen. Genug der Andeutungen.

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