Meinung : Abschied von der Macht

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Es gelten die Regeln des arabischen Schuks: Solange der Rollladen nicht unten ist, ist ein Deal immer noch möglich. Obwohl die Verfassungsverhandlungen mit den Sunniten am Freitagabend gescheitert sind, gibt es also immer noch Raum für Überraschungen. Eines scheint aber klar: Die Sunniten haben ihr Blatt überreizt. Wer erst die Wahlen boykottiert und dann dennoch Sitze in der Verfassungskommission reserviert bekommt, ist nicht in der Lage, Ultimaten zu stellen. Die sunnitische Forderung, Symbole der BaathPartei nicht mit einem Bann zu belegen, zeugt von mangelndem Unrechtsbewusstsein für die Verbrechen der Saddam-Diktatur. Ähnlich realitätsfern sind die Forderungen nach einem starken Zentralstaat: De facto ist der Irak schon in drei Teile zerfallen. Wer hier auf ein mächtiges Zentrum setzt, erhöht die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Friktionen anstatt sie zu verringern. Sicher wäre es besser, die Sunniten könnten noch in einen Kompromiss eingebunden werden. Nur dazu müssten sie mehr Realismus an den Tag legen. Die Tage ihrer Vorherrschaft im Irak sind vorbei. Manche sunnitischen Politiker scheinen das noch nicht verstanden zu haben. clw

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