Meinung : Absehbares Jobwunder

Geld für Kurzarbeit – als Reaktion auf Umbrüche in der Wirtschaft reicht das nicht

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Die großen Männer haben es nicht geschafft, ihre Versprechen einzuhalten. Helmut Kohl und Gerhard Schröder sind angetreten, während ihrer Kanzlerschaft die Arbeitslosigkeit im Land spürbar zu senken. Angela Merkel hat sich das zwar nie explizit zum Ziel gesetzt – sie könnte dem Erfolg auf dem Jobmarkt aber näher kommen als ihre Vorgänger.

Die Voraussetzungen sind gut: Nur noch 3,15 Millionen Menschen waren im Juni arbeitslos, das ist so viel wie vor Beginn der Krise. Vor allem im internationalen Vergleich ist dies bemerkenswert. Während in anderen Industrieländern seit Ende 2008 massenhaft Stellen gestrichen wurden, ist die Bundesrepublik ohne nennenswerte Verluste durch den historischen Einbruch gekommen. Milliardenausgaben für Kurzarbeit und andere Arbeitssubventionen haben die Bilanz gerettet. Womöglich fällt die Arbeitslosenzahl schon bald unter die Drei-Millionen-Marke.

Und es geht noch weiter: Bereits in wenigen Jahren könnte die Erwerbslosenzahl auf nur noch 1,5 Millionen Menschen sinken, haben Wirtschaftsforscher des Bundes ausgerechnet. Das bedeutet dann quasi Vollbeschäftigung.

Diese absehbaren Erfolge sollten die Politik aber nicht dazu verleiten, ihre Taten zu lobpreisen und ansonsten die Hände in den Schoß zu legen. Viel öffentliches Geld auszugeben und damit Entlassungen zu verhindern, ist noch keine große Kunst. Die viel größere Herausforderung ist es, auf die Umbrüche in der Arbeitswelt zu reagieren.

Im Moment findet ein tiefgreifender Wandel in der Wirtschaft statt: Früher waren Manager mit Stellenstreichungen schnell bei der Hand, sobald die Geschäfte nicht gut liefen. Das geht heute nicht mehr, zumindest in Branchen, in denen es auf Fachwissen und einen Erfahrungsschatz ankommt. Der Demografie macht sich immer deutlicher bemerkbar. Jedes Jahr gehen 100 000 Alte mehr in Rente, als Junge auf den Jobmarkt nachrücken. Zudem wird es für die Unternehmer immer schwerer, Fachleute im Heer der Beschäftigungslosen zu finden. Die meisten von ihnen sind schon Jahre ohne Job und in der modernen Arbeitswelt allenfalls bedingt einsatzbereit.

Wenig hilfreich für den Arbeitsmarkt ist dabei, dass die Kluft zwischen den Beschäftigten immer tiefer wird. Auf der einen Seite stehen Leiharbeiter, Minijobber im Dienstleistungssektor und geradezu Ausgebeutete, die für einen Euro in der Stunde schuften müssen. Auf der anderen Seite Industriefacharbeiter und Ingenieure, die gut verdienen, sichere Jobs haben und durch Regeln und Gesetze komfortabel geschützt sind.

Dies ist politisch gewollt, aber nur bedingt zukunftstauglich. Den Unternehmen erschwert es die Personalsuche, vielen Arbeitnehmern den Aufstieg. Auf dem Jobmarkt der Zukunft wird es mehr denn je um Qualität gehen. Die Politik muss darum dafür sorgen, dass die Bildung besser wird, dass in den Betrieben mehr qualifiziert wird und die Republik fähige Leute aus dem Ausland anzieht. Erst dann wird Angela Merkels Arbeitsmarktbilanz besser ausfallen als die ihrer Vorgänger.

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