Meinung : Abu Ghraib war überall

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Am vergangenen Freitag erschienen in der „Washington Post“ die erschütternden Erinnerungen eines ehemaligen US-Soldaten, der Anfang 2004 in irakischen Gefängnissen Verdächtige verhört hatte.

„Aus der Ecke des Raumes starrt mich ein gesichtsloser Mensch mit Namen Aman an. Er fleht um Hilfe, aber ich habe Angst, mich zu bewegen. Er fängt zu weinen an. Es ist ein mitleiderregendes Geräusch, und es macht mich krank. Er schreit, aber als ich aufwache, merke ich, dass die Schreie von mir selbst stammen.

Dieser Traum, zusammen mit anderen Albträumen, plagt mich seit meiner Rückkehr aus dem Irak im Sommer 2004. Obwohl der Mann in dem Traum kein Gesicht hat, weiß ich, wer er ist. In einem Gefängnis in Falludscha half ich, ihn zu verhören. (...)

Der Chefbefrager in dem Gefängnis hatte mir genaue Instruktionen gegeben: Während meiner 12-Stunden-Schicht musste ich den Gefangenen am Schlafen hindern, indem ich jede Stunde seine Tür öffnete, ihn zwang, in einer Ecke zu stehen und sich auszuziehen. Drei Jahre später hat das Blatt sich gewendet. Nun bin ich es, der kaum schlafen kann, ohne dass mich dieser Mann besucht. Die Erinnerungen an ihn quälen mich, so wie ich einst ihn gequält habe. (...)

Die amerikanischen Autoritäten bestehen darauf, dass die Misshandlungen im irakischen Gefängnis von Abu Ghraib Ausnahmen waren in einem ansonsten gut funktionierenden System. Das widerspricht eklatant meiner eigenen Erfahrung als Verhörer im Irak. (...) Aggressive und oft misshandelnde Techniken wurden täglich angewandt. (...) Meine Erinnerungen sind ein Beweis, dass diese Techniken schrecklich falsch waren.“

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