Meinung : Ach du dickes Huhn

Tatsächlich: Den deutschen Hennen geht es bald besser

Dagmar Dehmer

Alle reden von Eiern – reden wir mal vom Huhn. Renate Künast ist vor drei Jahren zu seiner Befreiung aufgebrochen. Die Verbraucherministerin war gerade drei Monate im Amt, als sie zu Ostern 2001 das Ende der Käfigbatterien ankündigte. Schon ein Jahr später durften keine neuen Käfige mehr gebaut werden, und in zwei Jahren werden sie endgültig verschwunden sein. Dann darf sich die elendste Kreatur unter den deutschen Nutztieren endlich wieder so verhalten, wie das die Natur vorgesehen hat: Die Henne darf im Sand baden, sich strecken, mit den Flügeln schlagen und im besten Fall auch nach Käfern und Würmern scharren.

Der Widerstand gegen Künasts Hennenhaltungsverordnung war enorm. Die Hühnerbarone wurden wild. Kein Wunder: Wer mehr als 100 000 Hennen hält – in diesen Betrieben wird mehr als die Hälfte der deutschen Eier produziert – hat ein Problem, wenn er die Tiere aus dem Käfig lassen muss. Zwar gibt es inzwischen auch Hühnerhalter, die 100 000 Hennen im Freiland halten. Doch stellt das hohe Anforderungen an den Unternehmer. Die Zeiten, in denen die Eier von selbst aufs Fließband rollten und der Mist einfach durchs Gitter fiel, sind mit dem Ende der Käfigbatterie vorbei. Zwar sind im vergangenen Jahr immer noch mehr als 80 Prozent der Eier im Käfig gelegt worden. Aber immer mehr Produzenten stellen um: auf Freilandhaltung, die mit einem Plus von 6,5 Prozent inzwischen einen Anteil an der Eierproduktion von 9,8 Prozent erreicht. Oder auf die Bodenhaltung, die mit einem Plus von 20,6 Prozent inzwischen einen Gesamtanteil von 9,4 Prozent erreicht.

Das ist ein Indiz dafür, dass die Drohungen der Hühnerbarone eher nicht wahr werden. Sie hatten argumentiert, wenn der Käfig in Deutschland verboten wird, bauen ihn die Produzenten eben in Polen wieder auf. Das haben die Schweizer Hennenhalter auch behauptet, als dort bereits 1992 die letzte Käfigbatterie geschlossen wurde. Dort stieg der Absatz der artgerecht in der Schweiz erzeugten Eier von 62 auf 75 Prozent. Und das, obwohl sie 37 Prozent teurer sind als Import- Eier. Aber in der Schweiz konnten sich die Tierschützer nicht nur auf die Verbraucher verlassen, sie wurden auch aus dem Handel unterstützt. Schon 1989 weigerten sich die großen Handelskonzerne in der Schweiz, Eier aus der Käfighaltung zu verkaufen. Wer im Geschäft bleiben wollte, musste wohl oder übel seine Hennen befreien.

Von solchen Verhältnissen ist Deutschland weit entfernt. Im Handel tobt seit Jahren ein Wettbewerb um den niedrigsten Preis. Und die Produktion von Freilandeiern ist nun mal teurer als die von Käfigeiern. Aber zumindest müssen sich die Verbraucher seit Anfang des Jahres nicht mehr von irreführenden Eierkartons blenden lassen. Mit glücklichen Hühnern auf einer Wiese dürfen Käfigeier inzwischen nicht mehr verkauft werden. Ein Stempel auf jedem Ei gibt nun Auskunft darüber, wie es erzeugt worden ist. Null steht als erste Ziffer im neuen Kennzeichnungscode für ökologische Erzeugung, die Nummer eins steht für Freiland-, zwei für Boden- und drei für Käfighaltung.

Zwar bricht am 1. Januar 2007 noch nicht das Hühnerparadies aus. Erst vor zwei Wochen musste sich Künast im Streit mit ihren Länderkollegen darauf einlassen, womöglich auch eine so genannte Kleinvoliere noch zuzulassen. Allerdings dürfte das kein echter Sieg für die Hühnerbarone sein. Denn große Käfige mit einer Mindesthöhe von zwei Metern lassen sich nicht beliebig stapeln. Da könnte am Ende die Freilandhaltung noch leichter zu organisieren sein. Nachdem das Huhn spätestens 2007 als befreit gelten kann, kann die Ministerin sich anderen armen Schweinen unter den Nutztieren widmen. Die Schweinehaltungsverordnung hängt derzeit noch im Bundesrat.

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