Meinung : Achtung, fertig, los

Von Malte Lehming

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Ein Elternteil schickt das unartige Kind ohne Abendbrot aufs Zimmer, das andere stellt heimlich Apfelsaft und Kekse nebens Bett. Auf diese Weise wird jedes Kind verdorben. Was richtig ist und was falsch, erschließt sich ihm nicht. Ähnlich verhält es sich in der internationalen Politik. Die Weltgemeinschaft will aus guten Gründen verhindern, dass der Iran Atomwaffen besitzt. Doch über die Größe des Drucks, der notwendig ist, um Teheran von seinen Ambitionen abzubringen, war man sich lange Zeit nicht einig. Während die einen bereits mit den Säbeln rasselten (USA), boten die anderen noch nukleare Zusammenarbeit an (Russland). Derlei Dissonanzen gibt’s zwar weiterhin, doch die jüngste Resolution des UN-Sicherheitsrats spricht eine deutliche Sprache: Bis zu diesem Donnerstag muss der Iran sein Urananreicherungsprogramm einstellen. Ohne Wenn und Aber.

Er wird es nicht tun. Das steht spätestens seit dem Wochenende felsenfest. Demonstrativ wurde am Sonnabend eine neue Schwerwasseranlage in Betrieb genommen, und Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte: „Der Westen soll sich bloß keine Mühe machen, da die Entscheidung bereits gefallen ist und der Iran sein Atomprogramm definitiv mit aller Macht weiterführen wird.“ Noch Fragen? An Klarheit lässt das nichts zu wünschen übrig.

Nun ist die Staatengemeinschaft erneut am Zuge. Sie sollte ebenso klar reagieren und in einer nächsten Resolution Sanktionen beschließen. Denn wenn überhaupt, dann hat nur eine unmissverständliche Botschaft die Chance, von den Mullahs verstanden zu werden. Das aber heißt: All die Tricks, die jetzt versucht werden, um Länder wie Russland und China aus der Atomwaffenverhinderungsfront wieder herauszubrechen – ja, wir sind gesprächsbereit, nein, wir würden Israel niemals angreifen –, gehören beharrlich ignoriert. Der Iran weiß, was er zu tun hat, um die Sorgen der Weltgemeinschaft zu zerstreuen. Und wer jetzt – ob in Europa, Russland oder China – in die Küche läuft, um nach der Keksdose zu suchen, schürt in Teheran lediglich falsche Hoffnungen.

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