ACS und Hochtief : Übernahme, Übelnahme

Hochtief wird spanisch: Das darf die Deutschen nicht stören – deutsche Unternehmen kaufen auch gerne im Ausland ein.

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Im Fußball und in der Wirtschaft scheinen die Spanier zu wissen, was sie wollen. Hier wie dort geht es um viel Geld, ums Gewinnen und darum, die Besten ins Team zu holen. Kurz nach der WM kaufte der spanische Verein Real Madrid die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira aus der Bundesliga. Nun hat sich der spanische Baukonzern ACS, dessen Chef Florentino Pérez auch Präsident von Real ist, weitere Anteile am größten deutschen Baukonzern Hochtief gesichert – und so den Weg frei gemacht für eine Übernahme.

Monatelang zieht sich der Kampf schon hin, und Hochtief stemmt sich mit aller Macht gegen die Spanier, rief die Bundesregierung zu Hilfe, suchte einen weißen Ritter. Bundeskanzlerin Angela Merkel war alarmiert, auch wenn sie sich offiziell raushielt. SPD- Chef Sigmar Gabriel forderte eine Verschärfung des deutschen Übernahmerechts, weil es feindliche Übernahmen zu einfach mache. Hochtief suchte nach Gesetzeslücken, um ACS abzuwehren – ohne Erfolg. Mit ihren mehr als 30 Prozent sind die Spanier einer Übernahme nun ein großes Stück nähergekommen.

Die Empörung hierzulande über die Vehemenz, mit der ACS seine Pläne vorantreibt, ist jedoch kaum gerechtfertigt. Auch die Deutschen kaufen fleißig im Ausland ein. Erst im vergangenen Jahr übernahm die Deutsche Bahn für 2,8 Milliarden Euro das britische Verkehrsunternehmen Arriva, der Walldorfer Softwarekonzern SAP kaufte für 5,8 Milliarden Dollar den amerikanischen Datenbankspezialisten Sybase. Und auch Erinnerungen an Eon und Endesa werden wach. 2006 versuchte der deutsche Energiekonzern, den spanischen Versorger Endesa zu übernehmen. Die spanische Regierung stemmte sich mit aller Macht dagegen. Eon musste schließlich seine Pläne aufgeben, in Deutschland hagelte es Kritik an der spanischen Abwehrhaltung. Schon deshalb kann die deutsche Regierung es der spanischen nun nicht gleichtun.

Vor allem aber hält sich ACS an geltendes Recht. Die 30-Prozent-Hürde haben die Spanier mit ihrem freiwilligen Angebot überschritten und müssen kein kostspieliges Pflichtangebot mehr vorlegen. Künftig kann ACS ungehindert weitere Hochtief-Aktien zukaufen. In anderen europäischen Ländern – wie in Österreich oder auch in Spanien – muss bei weiteren Zukäufen von zwei Prozent den Aktionären immer wieder ein neues Pflichtangebot gemacht werden. Auf ACS zu schimpfen, bringt wenig. Sinnvoller wäre es, sich um eine Harmonisierung der Übernahmeregelungen in Europa zu bemühen, damit gleiches Recht für alle gilt.

Bleibt die Angst vor einer Zerschlagung des deutschen Konzerns, vor Massenentlassungen – Hochtief beschäftigt weltweit 70 000 Menschen. Wohlfeil sind die Versicherungen von ACS, nicht entfernt daran zu denken. Kaufen kann man sich davon nichts. Einen ersten Eindruck von der Zukunft kann die nächste Hauptversammlung geben, bei der ACS mehr Macht haben wird. Am 12. Mai ist es so weit, dann zeigt sich in der Essener Grugahalle, wie das Spiel Spanien–Deutschland weitergeht.

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