Ägypten : Mubaraks eigene Logik

Hosni Mubarak hat sich entschieden. Er behandelt die ägyptische Krise als reines Sicherheitsproblem. Das wird diejenigen, die seit Dienstag auf die Straße gehen, nur weiter anstacheln. Doch vielleicht hat der alte Autokrat Mubarak aus seiner Sicht nicht unrecht, so zynisch es klingen mag: Sein tunesischer Amtskollege Ben Ali hat vorgemacht, was passiert, wenn man zu langsam und unzureichend auf Forderungen eingeht. Man wirkt schwach und wird gestürzt. Außer Mubaraks Abgang würde wohl kaum eine Reformankündigung diejenigen Menschen beruhigen, die seit Tagen auf der Straße sind. Doch das ist bisher nicht die gesamte Bevölkerung. So dramatisch die Bilder auch sein mögen: Es sind Zehntausende in einem Land von 80 Millionen Menschen. Die mächtigen Muslimbrüder haben sich nicht angeschlossen, ebenso wenig wie die zehntausenden Arbeiter in den staatlichen Textilfabriken im Nil-Delta, die 2008 den Aufstand geprobt hatten. Die Wirtschaftselite hofft auf Mubaraks Sohn Gamal. Vielleicht geht Mubaraks Rechnung auf. Er stellt mit Gewalt Ruhe her und kündigt dann einige Reformen an, die anderen Bevölkerungsgruppen ausreichen könnten. Jetzt kommt es auf die Armee an, die große Unbekannte. an

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