Ägypten nach Mubarak : Die Früchte des Zorns

Das Volk am Nil hat den Pharao besiegt. Tunesien war das erste Donnergrollen, Ägypten der politische Vulkanausbruch im Zentrum der arabischen Welt.

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Der Orient erlebt seine eigene Wende – und das Ende von Machtmissbrauch und Polizeiterror, von Ignoranz und erzwungener politischer Unmündigkeit. Ob in Algerien, Libyen, Palästina, Jordanien, Syrien oder Jemen: überall gärt es. Die Menschen wollen ihr Leben selbst bestimmen, die Frauen sich nicht länger wie Wesen zweiter Klasse behandeln lassen. Sie wollen einen Neuanfang – mit einer Zukunft in Freiheit.

Ägypten hat sich in den 18 Tagen seines Volksaufstands neu erfahren. Ein Land, dessen Bevölkerung nicht einmal geordnet in eine Metro einsteigen kann, stand geduldig und ohne Drängeln Schlange an den Kontrollen vor dem Tahrir-Platz. Ärzte und Krankenschwestern versorgten Tag und Nacht unter Plastikplanen Verwundete und schliefen irgendwo auf den Bürgersteigen. Tausende schleppten Kartons mit Nahrungsmitteln herbei, und nach der Siegesparty packten die meisten mit an, um Barrikaden und Steinhaufen vom Schlachtfeld der Revolution zu räumen. Zum ersten Mal sehen sich die Ägypter als aktive Bürger und nicht als amorphe Masse von Untertanen.

Doch der Weg zu Demokratie und einer pluralen Zivilgesellschaft ist lang und steinig. Noch hält das Oberkommando des Militärs die Schrauben fest angezogen. Die Oppositionsparteien sind schwach und zerstritten. Und die meisten der jungen Facebook-Aktivisten haben keine politischen Karriereträume. Sie wollen zurück an die Universität oder in ihre Berufe. Zwar hat der Oberste Rat der Armee mit zwei Kommuniques praktisch die Struktur des Mubarak-Regimes aus den Angeln gehoben. Das Parlament ist aufgelöst, die Verfassung annulliert, innerhalb von sechs Monaten soll es freie Wahlen geben. Aber Skepsis bleibt geboten. Denn eine Regierung der Nationalen Einheit haben die Militärs nicht im Blick. Stattdessen bleibt Mubaraks neue, alte Garde die nächsten Monate mit an den Hebeln der Macht: Sie kontrolliert weiter die Polizei und die Heerscharen der zivilen Geheimpolizisten. Auch an dem Ausnahmezustand wird vorerst nicht gerüttelt. Und niemand weiß, wie repräsentativ der neue Verfassungsrat sein wird. Das ägyptische Volk hat mit seinen Tagen des Zorns das Tor in die Zukunft weit aufgestoßen. Hoffentlich wird es bald auch die Früchte des Zorns ernten.

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