Ägypten : Wahlen in Gefahr

Die Militärs in Ägypten haben binnen vier Wochen das Unglaubliche geschafft: es sich mit allen politischen Lagern zu verscherzen.

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Das war ein Showdown mit Ansage. Vor Wochen hatte der in Ägypten übergangsweise regierende Oberste Militärrat in einem Papier festgelegt, welche Privilegien sich die Männer in Uniform auch im neuen politischen System zu sichern gedenken. Dabei haben die Militärs das Unglaubliche geschafft: es sich mit allen politischen Lagern zu verscherzen. Seither drohten Islamisten und Liberale mit Protesten, zwischendurch hatte man den Eindruck, als wollten beide Seiten die Kraftprobe vor den Parlamentswahlen noch abwenden. Aber das Militär blieb stur – und die Islamisten und die liberalen Kräfte blieben es auch: Sie antworteten mit Großdemos und Sit-ins und fordern den Rücktritt des Führers des Militärrates. Mehr als zwanzig Tote verhärten die Fronten nun. Die Wahlen abzusagen, wäre eine Katastrophe, zumal der Konflikt damit nicht gelöst wäre. Also muss bald ein Kompromiss her. Ansonsten könnten die gut organisierten Islamisten womöglich in letzter Minute zu einem Boykott aufrufen, weil sie sich um die Früchte ihres erwarteten Wahlsiegs betrogen sehen. Dann wäre die Junta, die ohnehin bis 2013 regieren will, kein Übergangsgremium mehr. an

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