Ärztemangel : Locken und strafen

Niedergelassene Ärzte sind immer noch Freiberufler. Wer also will es ihnen verdenken, dass manche von ihnen in der Nähe der wohlhabenden Kunden sein wollen. Doch es gibt durchaus Steuerungsmöglichkeiten.

Ingo Bach

Immer mehr niedergelassene Mediziner in Berlin kehren sozialen Problembezirken den Rücken, um sich in wohlhabenderen Gegenden mit einem höheren Privatpatientenanteil anzusiedeln. Das kann man beklagen, wie es die Berliner Patientenbeauftragte tat, oder man kann etwas dagegen tun. Doch an konkreten Vorschlägen, wie diesem Dilemma zu begegnen wäre, mangelt es, besonders bei der dafür zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Niedergelassene Ärzte sind trotz der vielen Reglementierungen im Gesundheitswesen immer noch Freiberufler. Wer also will es ihnen verdenken, dass manche von ihnen in der Nähe der wohlhabenden Kunden sein wollen. Doch es gibt ja durchaus Steuerungsmöglichkeiten: In Flächen-Bundesländern, die unter einem Ärztemangel leiden, versucht die Lokalpolitik, die Doktoren mit Umsatzgarantien oder verbilligten Praxisräumen in unterversorgte Gebiete zu locken. Warum soll so etwas nicht auch in Berlin ein Weg sein? Doch den zu beschreiten, ist Aufgabe der KV. Wenn Ärzte in reichere Bezirke abwandern, könnte die KV die Behandlung von Patienten in den ärmeren Bezirken mit einem Zuschlag fördern. Wer Kassenpatienten zugunsten von Privatpatienten verlässt, müsste dafür Einnahmen durch Kassenpatienten einbüßen. Das wäre nur fair. I.B.

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