Ärztestreik in Berlin : Umsonst und vergebens

Der Ärger der Patienten richtet sich mal wieder gegen die Mediziner. Kein Wunder, dass die Streiks der Kassenärzte bisher kaum etwas ausgerichtet haben.

Hartmut Wewetzer

Dürfen die das? Die Berliner Kassenärzte streiken mal wieder. Jede dritte Praxis schließt diese Woche ihre Türen, die Ärzte „bilden sich fort“. Sie wollen mehr Geld von den Krankenkassen, beklagen eine „chronische Unterfinanzierung“ der ambulanten Versorgung. Aus Sicht der Arztpraxen ist der Ärger verständlich. Das Budget ist oft schon nach zwei von drei Monaten aufgebraucht, den Rest der Zeit arbeitet der Arzt umsonst, jedenfalls finanziell. Trotzdem ist ein Streik das falsche Mittel gegen die Misere. Denn auf diese Weise bestraft man den Patienten – und gerade der sichert mit seinen Beiträgen das Überleben der Ärzte. Wenn man die Politiker also allein auf diese Weise beeindrucken will, dürfte wenig gewonnen sein. Denn der Ärger der Patienten wird sich eher gegen die Mediziner richten. Kein Wunder, dass die Streiks der Kassenärzte bisher kaum etwas ausgerichtet haben. Das wichtigste Argument gegen den Ausstand ist aber, dass er den Arzt in eine passive Rolle drängt. Statt eigenständig nach Wegen aus der Misere zu suchen, wie es sich für einen freien Beruf gehört, macht er sich als Streikender endgültig zum Angestellten der Krankenkassen. wez

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