Afghanistan : Angriff und Verteidigung

Wie viele Zivilisten sind bei dem Angriff auf einen Tanklastwagen umgekommen? Mit letzter Sicherheit wird sich nie klären lassen, wie schuldig oder unschuldig die einzelnen Opfer waren

Ulrike Scheffer

Nun ist es praktisch amtlich: Bei dem von der Bundeswehr in Afghanistan angeordneten Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklastwagen sind auch Zivilisten umgekommen. Laut der von Präsident Karsai eingesetzten Kommission sollen es 30 sein. Dazu müssen die Kanzlerin und ihr Verteidigungsminister nun Stellung beziehen und ohne Wenn und Aber ihr Bedauern ausdrücken. Die Nato stellt zwar eigene Untersuchungen an, deren Ergebnis noch nicht offiziell ist, doch ohnehin war längst klar, dass keineswegs nur bewaffnete Taliban getroffen wurden. Die Herumdruckserei in Berlin – „wenn es so sein sollte, dann werden wir es bedauern“ – , sie war beschämend, auf die Familien der Opfer muss sie menschenverachtend gewirkt haben. Mit letzter Sicherheit wird sich ohnehin nie klären lassen, wie schuldig oder unschuldig die einzelnen Opfer waren. Auch keine der eingesetzten Kommissionen dürfte in der Lage sein, die Grenze zwischen Gut und Böse klar zu ziehen. In Afghanistan gibt es Sympathien und Abhängigkeiten, die einfache Bauern und Tagelöhner zwar in die Nähe der Taliban rücken, sie aber nicht automatisch zu Verbrechern machen. Wo Armut und Krieg herrschen, kann es sich nicht jeder leisten, offen auf der richtigen Seite zu stehen – zumal im Zweifel keine Polizisten oder Soldaten da sind, ihn oder sie zu schützen. Auch deshalb ist die neue US-Strategie richtig. Nur wer aktiv angreift, kann klar als Feind gelten. uls

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