Afghanistan-Einsatz : Gehen geht nicht

Einfach ist in Afghanistan nichts. Es gibt viele widerstreitende Interessen – und auch die Regierung von Hamid Karsai arbeitet nicht gerade überzeugend. Darum sind auch Entscheidungen über das weitere Vorgehen in Afghanistan so schwierig. Ein Rückzug aus dem Land bedeutet: Auf den Westen ist kein Verlass.

Ingrid Müller

Natürlich haben die vielen Anschläge auf Deutsche dazu beigetragen, dass sich viele Menschen fragen: Was sollen denn unsere Leute da? Sie meinen meist Soldaten, aber auch Polizisten und Helfer. Natürlich hat das brutale Vorgehen von US-Einheiten gegen vermeintliche Terroristen, die sich als Zivilisten entpuppen, Wut nicht nur bei Afghanen, sondern auch Deutschen ausgelöst. Doch wer jetzt mal eben einen festen Abzugstermin fordert, der tut so, als wäre das eine einfache Lösung. Ist es aber nicht. Natürlich müssen sich die Bundesregierung und die Nato- Partner überlegen, wie sie aus dem Land wieder rauskommen können. Das zu leugnen, ergibt keinen Sinn. Allerdings sollte man das an Fortschritte im Land knüpfen, nicht einfach einen Termin greifen. Denn das ist unseriös.

Der US-Isaf-Kommandeur in Kabul hat übrigens im Frühjahr angedeutet, dass es 2012 so weit sein könnte – wenn die afghanischen Sicherheitskräfte bis dahin entsprechend ausgebildet sind. Das heißt Soldaten wie Polizei. Diese Voraussetzung nennt jeder, der sich am Hindukusch auskennt. Bei der Armee, so scheint es, geht es ganz gut voran, bei Justiz und Polizei sieht es anders aus. Nur: Geld bildet niemanden aus. Geld schützt niemanden. Das müssen schon ganz real Menschen tun. Selbst Einsatz- Kritiker fordern diese Ausbildung für Afghanen, damit sie selbst ihr Volk gegen die schützen können, die ihnen ihren Willen aufzwingen wollen, etwa gewalttätige Taliban aus dem eigenen wie dem Nachbarland.

Besonders bei der so wohlfeil angemahnten Polizeiausbildung aber spielt gerade Deutschland eine enttäuschende Rolle. Selbst die versprochenen paar Polizisten zur Ausbildung werden nicht geschickt. Es finden sich zu wenig Freiwillige. Außerdem muss der zivile Aufbau mit der Aussicht auf Arbeitsplätze vorangetrieben, also auch bezahlt werden. Ohne ein gewisses Maß an Sicherheit, das derzeit vor allem Soldaten fremder Nationen versuchen zu bieten, trauen sich aber von ihnen nur wenige ins Land.

Also doch jetzt alles hinschmeißen? Dann braucht vermutlich nie wieder eine sogenannte Friedenstruppe irgendwo hinzugehen. Das Signal wäre klar: Auf die Versprechen des Westens ist kein Verlass. Wer sich mit ihnen einlässt, ist verlassen.

Doch die deutsche Politik sollte klare Ziele nennen, unter welchen Umständen man gehen wird. Gespräche muss es mit Kabul geben, auch mit Nachbarn wie Pakistan. Ja, leider ist es so kompliziert. Und: Gerade werden in den USA die Karten neu gemischt. Es sollte niemand warten, bis die neue Regierung im Amt ist, sondern bei allen für eine neue Strategie werben. Auch Amerikaner versuchen sich im Süden am Aufbau – selbst wenn mancher Obere dafür gern die Deutschen verhöhnt. Es gibt auch nachdenklich gewordene Amerikaner.

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