Meinung : Afghanistan: Joschka Fischers Chance

cvm

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Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben
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Die Nordallianz vertreibt die Taliban aus einer Region nach der anderen. Fast überall ist der Jubel der Afghanen groß. Sie fühlen sich befreit nach sechs Jahren fundamentalistischer Diktatur, obwohl sie allen Grund haben, der Nordallianz zu misstrauen. Im Westen haben dagegen die Bedenkenträger die Oberhand. Ist es so schwer zu begreifen, dass ein kleineres Übel ein Fortschritt gegenüber dem ganz großen Übel ist? Und wer sagt denn, dass die Nordallianz die alleinige Macht behält, nur weil ihre Truppen Kabul erobert haben? Die Russen sind 1945 allein in Berlin einmarschiert und haben dennoch die späteren West-Sektoren wieder geräumt - dabei war Stalin weit weniger abhängig von westlichem Wohlwollen als es jede künftige afghanische Regierung von ausländischer Hilfe sein wird. Es liegt in der Hand der Uno und der Kriegsallianz eine faire Verteilung der Macht durchzusetzen. Sie müssen es nur wollen und dürfen den nötigen Aufwand nicht scheuen. Dass jede Lösung, die das größte Volk, die Paschtunen, ausschließt, keinen dauerhaften Frieden bringen kann, wissen auch die Nordallianz und der jetzt nach Kabul zurückgekehrte letzte legitime Präsident Rabbani. Inzwischen sind sie einverstanden, dass die große Afghanistan-Konferenz, die eine stabile Lösung aushandeln soll, im Ausland zusammentritt. Und da tauchen plötzlich neue Ortsnamen auf. Nicht mehr Peschawar, Zypern oder Rom, wo der König im Exil lebt. Sondern die Uno-Standorte Genf, Wien und - Bonn. Hoppla, das käme doch Joschka Fischer und seiner Partei sehr gelegen, wenn Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Friedensordnung für Afghanistan spielen könnte - so wie auf dem Balkan mit dem auf deutscher Initiative beruhenden Stabilitätspakt. Für die Innere Sicherheit freilich wäre das eine zusätzliche Herausforderung.

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