Meinung : Afghanistan: Mehr Menschenrechte, weniger Dosenpfand

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Sieben Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Shelter now international", die sich in Afghanistan um Kriegsflüchtlinge kümmert, droht die Todesstrafe. Darunter vier Deutschen. Der Bürgerkrieg in dem zentralasiatischen Wüstenstaat dauert mit kurzen Unterbrechungen schon fast dreißig Jahre. Doch die Weltöffentlichkeit schweigt und der westeuropäische Bildungsbürger rafft sich höchstens, wenn bei den Kampfhandlungen Kulturgüter unter die Räder kommen, zu moralischer Entrüstung auf. Zu Recht sprachen Wissenschaftler und Politiker von Barbarei, als die Taliban im März die beiden größten Buddha-Statuen Zentralasiens mit Panzergranaten und Sprengstoff vernichteten. Jetzt - ebenfalls zu Recht - zittern Deutschland, Großbritannien und die Niederlande um das Leben ihrer verhafteten Mitbürger. Und eher nebenbei erfährt man im Westen Details über den verdrängten Krieg: Schwerste Menschenrechtsverletzungen durch die fundamentalistischen Taliban, die seit 1996 den größten Teil des Landes kontrollieren, Hunderttausende Afghanen heimatlos, Tausende von Todesurteilen wegen geringfügigster Vergehen gegen einen rigiden Moralkodex, der nicht einmal vom Koran gedeckt ist. Wer wegschaut, macht sich mitschuldig. Und mit Füßen getretene Menschenrechte sollten auch außerhalb des Sommerlochs Priorität vor Diskussionen um das Dosenpfand genießen.

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