Afghanistan : Sicherheit nur auf dem Papier

Von Sicherheit kann in Afghanistan keine Rede sein. Das ist zuallerletzt den Soldaten vor Ort anzulasten.

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Ein schwarzer Karfreitag für die Bundeswehr. Drei Tote, acht Verletzte, dazu, erstmals in der Geschichte der deutschen Nachkriegsarmee, fünf irrtümlich erschossene Kameraden aus den Reihen einer befreundeten Streitkraft. Das ist schrecklich. Für die Betroffenen und ihre Familien eine Katastrophe. Eine auf erschreckende Weise erwartbare Katastrophe allerdings, denn sie ist, horribile dictu, der Normalfall in einem Zustand, der Krieg heißt.

Als wäre das alles nicht schlimm genug, schwappt im Kielwasser der Nachrichtenwelle aus Afghanistan die Erkenntnis herüber: Acht Jahre nach Beginn des internationalen Einsatzes am Hindukusch liegt dort mehr im Argen, als vom politischen Feldherrenhügel in Berlin aus wahrgenommen wird. Natürlich hat sich vieles gebessert. Straßen wurden gebaut, Schulen errichtet, Brunnen gebohrt. Und das ist durchaus nicht gering zu schätzen. Aber was das Kerngeschäft der bald 100 000 Mann starken internationalen Truppen in Afghanistan betrifft, so muss man feststellen: Die Taliban sind nicht geschwächt, der Schutz der Bevölkerung steht nur auf dem Mandatspapier, kurzum, von Sicherheit, die doch die Voraussetzung für alle Wiederaufbau- und Entwicklungsmaßnahmen sein sollte, kann keine Rede sein.

Das ist zuallerletzt den Soldaten vor Ort anzulasten. Die Militärs warnen seit Jahren schon vor einem Erstarken der Taliban. Das Problem liegt in Berlin. Hier wird viel geredet, aber ausschließlich über die Bombardierung zweier Tanklaster im vergangenen September und die Fragen, wer wem wann welche Berichte vorgelegt oder vorenthalten habe und warum der Generalinspekteur gegangen und ein Staatssekretär entlassen wurde. Über die Lage vor Ort aber, die Gründe für den Kontrollverlust im strategisch bedeutsamen Gebiet rund um Kundus und Auswege aus der verfahrenen Situation hört man wenig. Das ist, dieser Karfreitag zeigt es, mindestens fahrlässig.

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