Meinung : Afrika, du kannst es besser

Schröder bereist den schwarzen Kontinent – der muss sich vor allem selbst helfen

Ulrike Scheffer

Ein Kanzler in Afrika, das hat Seltenheitswert. Gerhard Schröder bricht am Sonntag zu seiner ersten Rundreise durch den Kontinent auf. Er besucht Äthiopien, Kenia, Südafrika und Ghana. Vorgänger Kohl reiste in den 16 Jahren seiner Amtszeit ebenfalls nicht oft in die Region südlich der Sahara: Südafrika, Namibia und eine längere Reise mit den Stationen Kamerun, Mosambik und Kenia – das wars. Trotz hehrer Vorsätze kümmert sich Rot-Grün nicht mehr um Afrika als die Konservativen.

Deutschlands Interessen liegen in Asien, vor allem in China, wo sich ein riesiger Zukunftsmarkt auftut. Diesen Realitäten hat sich die Bundesregierung gebeugt. In Afrika kann nur Südafrika im Wettbewerb um Investitionen mithalten. Doch zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid sind auch hier viele Träume geplatzt. Wie in vielen anderen afrikanischen Staaten greifen auch am Kap Korruption und Misswirtschaft um sich, durch Aids könnte eine ganze Generation ausgelöscht werden.

Südafrikas Regierung hat die Aids-Katastrophe lange ignoriert, schien sie doch westliche Klischees vom allzu freizügigen Geschlechtsleben des schwarzen Mannes zu bedienen. Deshalb wollte die neue schwarze Elite eine offene Diskussion über das Thema verhindern. Andere Länder handelten schneller und können seit einiger Zeit einen Rückgang der Aidsraten vorweisen.

Ist Afrika also selbst schuld an der Unaufmerksamkeit? Zum Teil schon. Nur wenige afrikanische Regierungen sind ernsthaft bemüht, die Entwicklung ihrer Länder voranzutreiben – zu viele Politiker dort denken zuerst an ihr eigenes Wohl und das ihrer Gefolgschaft. Die viel gepriesene Initiative Nepad, in der sich die Staaten Afrikas erstmals gemeinsam zu tief greifenden Reformen verpflichten, hat daran nichts geändert. Doch verschärfte Auflagen für Kredite und Entwicklungshilfe sind nicht ohne Wirkung geblieben. Das wird der Bundeskanzler in Kenia erleben, wo vor einem Jahr der alte Patriarch Daniel arap Moi nach 24 Jahren endlich einem unbelasteten Nachfolger Platz gemacht hat. Mwai Kibaki hat einen Staatssekretär für Ethikfragen ernannt, der erfolgreich gegen Korruption kämpft. Das Beispiel zeigt: Entwicklungshilfe lohnt sich, wenn die Partner seriös sind. Bedingungen für die Unterstützung sind daher keine Bevormundung, sondern zwingende Voraussetzung für positive Veränderungen.

Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten. Der Norden, auch Deutschland, kann sich von einer Mitschuld an Afrikas Misere nicht freisprechen. Es ist kein Geheimnis, dass auch deutsche Firmen Beamte und Regierungsmitglieder schmieren, wenn es in afrikanischen Staaten lukrative Staatsaufträge zu vergeben gibt. Und da Bestechungsgelder auf die Rechnung aufgeschlagen werden, zahlen am Ende die afrikanischen Bevölkerungen die Zeche. Auch Handelsschranken und Agrarsubventionen in den Industriestaaten hemmen die Entwicklung im Süden. Und wer sich darüber freut, dass der Kaffee bei uns immer billiger wird, sollte bedenken, dass dies nur möglich ist, weil die Kaffeebauern in der Dritten Welt für einen Hungerlohn arbeiten.

Das alles bleibt nicht ohne Folgen – auch für uns. Armut verursacht Verteilungskämpfe, die zu Bürgerkriegen eskalieren können. Die Flüchtlinge aus zerrütteten Regionen versuchen massenhaft, sich in den Wohlstandsgürtel der nördlichen Hemisphäre zu retten. Und: Wo der Staat kollabiert, finden Terrorgruppen Rückzugsorte und neue Anhänger. Deshalb ist Entwicklungshilfe auch Sicherheitspolitik.

Deutschland allein kann die Probleme nicht lösen. Hier sind nicht zuletzt die früheren Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien gefragt, die über mehr Einfluss verfügen. Doch seit dem Streit um den Irakkrieg ist der Bundeskanzler kein Unbekannter mehr auf dem Kontinent. Aus Sicht vieler Staaten der Dritten Welt hat sich Schröder im vergangenen Jahr auf die Seite der Schwachen gestellt. Dass Saddam Hussein ein gefährlicher Tyrann war, wird hier gern übersehen. Die Frontlinien in den Köpfen verlaufen zwischen arm und reich, Industriestaaten und unterentwickelter Welt. Dass der Kanzler sie durchbrach, wird ihm bei seiner Reise nachträglich viel Applaus einbringen. Es wird aber auch die Erwartungen hochschrauben.

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