Meinung : Ahnenforschung

„Was nicht zu Deutschland gehört...“ vom 27. März

Geärgert hat mich der Artikel, weil ich dann nämlich auch nicht zu Deutschland gehöre. Kommt doch ein Teil meiner Vorfahren aus dem Königreich Böhmen, der Burg Hassenstein bei Komotau. Thomas Mann und Thomas de Mazière hatten Vorfahren, die nicht Deutsche waren, so schreiben sie.

Wollen sie damit ausdrücken, dass nur die unter uns lebenden oder seinerzeit gelebt habenden Mitmenschen Deutsche sind oder waren, die derartige „fremdländische“ Vorfahren nicht hatten? Außerdem lässt diese Interpretation den Schluss zu, dass die heutigen Einwanderer nie zu Deutschland gehören werden.

Sie mögen zwar Deutsch sprechen, doch zu Deutschland werden sie nie gehören. Deutsch und Deutschland, ein weites Feld. Da wäre Immanuel Kant, der deutsche Philosoph. Ihrer Lesart nach gehört er allerdings nicht zu Deutschland, lebte er doch in Königsberg, in Ostpreußen.

Dieser Teil des preußischen Königsreiches gehörte aber formal weder zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation noch zum späteren Deutschen Bund. Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 kamen diese preußischen Untertanen in den Genuss, deutsche Staatsbürger zu sein. Auch, wenn sie sich immer als Deutsche betrachtet hatten.

Bernd Wust, Berlin-Tiergarten

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