Aids-Forschung : Der Traum von der Heilung

24.07.2012 00:00 Uhrvon

Statt das Aids-Virus nur zu kontrollieren, wollen einige Forscher wieder nach einer Heilung suchen. Das ist keine Utopie, meint Jana Schlütter - sondern eine reale Chance.

Auf die Dauer ist das Virus schlauer als wir

Trotzdem: Ist es gerechtfertigt, jetzt schon Geld in den wissenschaftlichen Traum der Heilung zu investieren? Müsste man nicht zuerst alles daran setzen, den acht Millionen Menschen Zugang zu einer Behandlung zu verschaffen, die bisher keine Medikamente bekommen? Die Zahl der Toten überstieg auch 2010 die der Geretteten, 1,8 Millionen Patienten mussten zu Grabe getragen werden. Ohne Reihentests kommt das Testergebnis oft viel zu spät. Wer schon lange infiziert ist oder gar Krankheitssymptome hat, ist schwerer zu behandeln als diejenigen, die kurz nach der Infektion mit der Therapie beginnen.

Stigma und sozialer Absturz nach einer Diagnose sorgen in vielen Ländern noch immer dafür, dass viele vor einem Test zurückschrecken. Und für arme Menschen – egal ob sie nun in den Großstädten Nordamerikas leben oder in ländlichen Gebieten Ugandas – kostet die Therapie eine Menge Geld. Andere nehmen die Tabletten nur ab und an, oder bekommen nicht den kompletten Cocktail, so dass HIV resistent werden kann. In Ostafrika zum Beispiel steigt die Zahl derer, denen die Tabletten nicht mehr helfen, um jährlich 29 Prozent – eine alarmierende Zahl, die alle Erfolge zunichte machen kann.

Auf Dauer ist das Virus schlauer als wir. Deshalb fahnden Forscher wie Barré-Sinoussi schon jetzt nach Auswegen. Statt die Suche nach einer Heilung bei einer Handvoll Forscher vor sich hindümpeln zu lassen, wollen sie die Pfründe für die Grundlagenforschung neu verteilen – Geld und Nachwuchswissenschaftler gleichermaßen.

Es geht ihnen nicht um die Rechnung „ART für alle oder Heilung“. Ohnehin unterfinanzierte Präventions- und Therapieprogramme dürfen nicht bluten, sonst sind alle Fortschritte der vergangenen zehn Jahre schnell dahin. Doch sie machen uns klar, dass wir eine Richtungsentscheidung treffen müssen. Sie fragen uns: Sollen wir weiter vor allem nach einem Impfstoff suchen, obwohl die Suche bisher mehr als verzwickt war? Sollen wir dafür ein Ziel wie „Heilung“ als Utopie abschreiben, obwohl es einige hoffnungsvolle Ansätze gibt? Mit einem hat Barré-Sinoussi sicher recht: Wenn man jetzt aufgibt, obwohl die Chance auf Heilung real ist, werden wir es bereuen.

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