Meinung : Aids: Nicht Heilung, nur Hoffnung

Ulrike Scheffer

Die Aidskranken in Afrika können aufatmen. Im Streit um preiswerte Aidsmedikamente für Entwicklungsländer zeichnet sich eine Lösung ab. Südafrika, das angekündigt hatte, internationale Patente zu ignorieren, um seine Bevölkerung mit billigen Aidsmedikamenten versorgen zu können, und die 39 Pharmakonzerne, die dies durch ihre Klage gegen das Land verhindern wollen, suchen nun außerhalb des Gerichtssaals nach einem Kompromiss.

Die Konzerne hatten sich ohnehin längst bereit erklärt, die Preise für die lebensverlängernden Medikamente in Entwicklungsländern drastisch zu reduzieren. Der öffentliche Druck auf sie war groß geworden. Südafrika sieht nun aus wie der große Sieger in diesem Aufsehen erregenden Streit, wie ein Retter für Millionen Todgeweihte auf dem schwarzen Kontinent, die ohne Aidsmedikamente keine Überlebenschance haben. Das Entwicklungsland hat den multinationalen Konzernen ein Schnippchen geschlagen. Eine bessere Publicity hätte sich der südafrikanische Präsident Mbeki nicht wünschen können.

Doch der Glanz fällt auf den Falschen. Wie viele andere afrikanische Führer hat Mbeki viel zu lange die Augen vor der Aidskatastrophe verschlossen. Im vergangenen Jahr schockte er die Weltöffentlichkeit gar mit Zweifeln an den wissenschaftlich bewiesenen Ursachen der Krankheit. Das HI-Virus sei Folge von Armut wie von mangelnden hygienischen Bedingungen und werde möglicherweise gar nicht durch Geschlechtsverkehr übertragen, sagte er damals. Damit machte er die Aufklärungsbemühungen vieler Organisationen zunichte, die in beharrlicher Kleinarbeit versuchen, die Menschen zu einem veränderten Sexualverhalten zu bewegen.

Mbeki hat seine Thesen bis heute nicht revidiert. Es wäre verhängnisvoll, wenn er glaubte, das Aids-Problem allein durch billige Medikamente aus der Welt schaffen zu können. Ohne eine rückhaltlose Aufklärungsarbeit wird dies nicht gelingen. Die bisher entwickelten Mittel können die Krankheit schließlich nicht heilen, sondern deren Verlauf lediglich verzögern.

Um die Medikamente wirkungsvoll einsetzen zu können, müssen außerdem Labore eingerichtet, muss medizinisches Personal geschult werden. All das kostet Geld und braucht Zeit. Bis dahin werden sich weiter Menschen mit dem gefährlichen Virus anstecken - 1700 sind es in Südafrika täglich. Zum Aufatmen ist es deshalb wohl zu früh.

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