Alexis Tsipras: : „Eine Politik, die Europa zerstören wird“

Die Linkspartei in Berlin feiert ihn, bei Finanzminister Schäuble ist die Stimmung nicht ganz so überschäumend. Ein Porträt des griechischen Links-Politiker Alexis Tsipras.

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Es war absehbar, dass dies ein Gespräch in ziemlich eisiger Atmosphäre werden würde. Alexis Tsipras, der 38-jährige radikale Führer der Opposition in Griechenland, wollte zwar die Begegnung mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (70). Eine halbe Stunde lang tauschten die beiden Politiker am Montag ihre unversöhnlichen Positionen aus. Unmissverständlich, hieß es anschließend aus Kreisen des Finanzministeriums, habe Schäuble zum Ausdruck gebracht, dass die Umsetzung des wirtschaftlichen Anpassungsprogramms „alternativlos“ sei. „Schäuble hat Herrn Tsipras aufgefordert, den eingeschlagenen Weg mitzutragen“. Der kommentierte: „Unsere Vision ist, dass das griechische Volk im aufrechten Gang aus dieser Krise herausfindet.“

Tsipras ist mit seinem Syriza-Bündnis bei den Wahlen in seiner Heimat umso erfolgreicher, je krasser sich die Auswirkungen der Sparpolitik zeigen. Beim Jahresauftakt der Linkspartei am Sonntag in der Berliner Volksbühne war er – neben Ex-Parteichef Oskar Lafontaine – der Stargast. „Aus dem Labor neoliberaler Barbarei in Europa“, wie er es selbst formulierte, sei er nach Berlin gekommen. Er hielt der Merkel-Regierung vor, eine fehlgeschlagene Sparpolitik dem gesamten europäischen Süden aufzuerlegen. „Es handelt sich um eine Politik, die Europa zerstören wird.“ Sein Land schlingere zwischen Korruption und Armut. Und die europäische Führung lasse zu, dass mit der Regierung in Athen ein „kleptokratisches System“ beschützt werde. „Hoch die internationale Solidarität“ skandierte die Menge in der Volksbühne nach der Rede.

So euphorisch feiern die anderen Oppositionsparteien im Bundestag den Senkrechtstarter aus Athen nicht. Doch neugierig auf den Gast sind mit Elke Ferner von der SPD und Frithjof Schmidt von den Grünen zwei Vize-Fraktionschefs. Schmidt, der Tspiras an diesem Dienstag treffen wird, meint, dieser repräsentiere auch „den Unmut in der griechischen Gesellschaft über die unausgewogene Sparpolitik“. Allerdings überziehe er seine Kritik populistisch, ziehe auch „falsche Konsequenzen“. SPD-Fraktionsvize Ferner geht es ähnlich. Nach ihrem Gespräch am Montag mit Tsipras sagte sie, er sei „ein sehr guter Rhetoriker“ und treffe den Nerv der Bevölkerung. Einen Schuldenerlass für Griechenland aber könne sie „so dann auch nicht“ akzeptieren. Auf die Frage, ob sie die Argumente von Tsipras teile, antwortete Ferner: „Jein“.

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