Ali Akbar Salehi : "Die Akte ist geschlossen"

Ali Akbar Salehi ist der neue Chef der Iranischen Atomenergiebehörde und wurde inzwischen auch von Mahmud Ahmadinedschad zu einem seiner Vizepräsidenten ernannt. Ein Porträt.

Martin Gehlen

Erstmals seit einem Jahr haben sich Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) wieder im Iran umsehen dürfen – und zwar in dem fast fertigen Schwerwasserreaktor Arak, der Plutonium produzieren kann. In Natanz, wo mit 7000 Zentrifugen Uran angereichert wird, sagten die Behörden zu, weitere Überwachungskameras zu installieren. Arrangiert hat das Ali Akbar Salehi, der neue Chef der Iranischen Atomenergiebehörde und inzwischen auch von Mahmud Ahmadinedschad zu einem seiner Vizepräsidenten ernannt. Bei dem promovierten Kernphysiker laufen alle Fäden des iranischen Atomprogramms zusammen. Jetzt rätselt man in den westlichen Hauptstädten, welche Bedeutung Salehis Geste haben könnte. Vielleicht will Teheran nur gutes Wetter machen, weil nächste Woche ein ausgesprochen scharfer IAEO-Bericht ins Haus steht. Vielleicht aber will die Regierung Ahmadinedschad angesichts der gespannten innenpolitischen Lage außenpolitisch Ballast abwerfen.

Ali Akbar Salehi jedenfalls hat bei der IAEO einen guten Namen. Noch zu Zeiten des Schahs begann er sein Studium an der Amerikanischen Universität in Beirut. Seinen Doktor machte er 1977 an dem renommierten Massachusetts Institute of Technologie (MIT) über Neutronen in Atomreaktoren. Den Weg in die Politik ebnete ihm Reformpräsident Mohammed Chatami, der ihn 1999 zum Gesandten bei der IAEO ernannte. Vier Jahre später flog das geheime Nuklearprogramm der Islamischen Republik auf. Um die Gemüter zu beruhigen, unterzeichnete Salehi im Dezember 2003 das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag, welches Inspektoren das Recht auf unangemeldete Kontrollen einräumte – eine Konzession, die Ahmadinedschad wieder rückgängig machte. 2004 kehrte der 60-Jährige in seine Heimat zurück und lehrt seitdem Kernphysik an der Universität in Teheran.

Auch wenn der neue Atomchef jetzt konziliantere Töne anschlägt, hat er nie Zweifel daran gelassen, dass sein Land das Recht habe, Uran anzureichern. Den Westen forderte er auf, seine „feindselige Haltung“ gegenüber Teheran aufzugeben. „Wir hoffen, dass größere Anstrengungen gemacht werden, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen“, appellierte er nach seiner Ernennung. „Die rechtlichen und wissenschaftlichen Debatten über das iranische Atomprogramm“ jedoch sind aus seiner Sicht beendet: „Die Akte ist geschlossen.“ Martin Gehlen

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