Alice Schwarzer und Jörg Kachelmann : Es wird wohl Liebe sein

Alice Schwarzer will sich nicht mit ihrer juristischen Niederlage gegen Jörg Kachelmann abfinden. Unser Kolumnist Helmut Schümann fragt sich, warum die Beiden nicht voneinander lassen können.

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Jörg Kachelmann und Alice Schwarzer - beharken sich immer wieder.
Jörg Kachelmann und Alice Schwarzer - beharken sich immer wieder.Foto: dpa

Ich glaube nicht, dass man Gerichten unbedingt Glauben schenken muss. Es gibt auch den Justizskandal, bei dem ein unschuldiger Mensch weggesperrt wird. Oder ein Schuldiger freigesprochen. Der Gustl Mollath, zum Beispiel, hat nie geglaubt, dass das Urteil gegen ihn im Namen des Volkes auch richtig war. Die Zeit hat ihn dann auch Jahre später bestätigt. Insofern handelt Alice Schwarzer sehr nachvollziehbar, wenn sie nicht jedem Richterspruch hörig an den Lippen hängt.

Alice Schwarzer ist jene Frau, über deren Steuerprobleme man nicht nur in Glossen schreiben darf. Über diese Probleme hat ein gewisser Jörg Kachelmann ausdrücklich nicht in einer großen Boulevardzeitung berichtet. Obwohl das auch folgerichtig gewesen wäre, weil Alice Schwarzer genau das im umgekehrten Fall getan hat und über den Prozess gegen Jörg Kachelmann berichtete, als er wegen Vergewaltigung angeklagt war.

Wenn es nach Alice Schwarzer gegangen wäre, wäre Kachelmann wahrscheinlich schon vor dem Urteilsspruch schuldig gesprochen worden. Das Gericht aber war anderer Meinung und sprach Kachelmann frei. Vollinhaltlich und völlig unstrittig.

Die Zeit hat das Gericht dann auch in der Folgezeit bestätigt. Insofern handelt Alice Schwarzer absolut nicht nachvollziehbar, wenn sie auch in Glossen weiterhin den Eindruck erweckt, Kachelmann sei genau das, nämlich ein Vergewaltiger.

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Das OLG Köln hat Alice Schwarzer nun untersagt, diesen Eindruck zu erwecken und hat mangels grundsätzlicher Bedeutung keine Revision zugelassen. Frau Schwarzer ist aber in diesem Punkt etwas verstockt und verbohrt. Dass Jörg Kachelmann kein untadeliger Mensch ist, belegte er nach dem Prozess mit der Erfindung des Unwortes 2012: „Opfer-Abo“. Frauen hätten in unserer Gesellschaft ein Opfer-Abo – das ist nicht nur eine arrogante Formulierung, es ist auch eine zutiefst zynische und zutiefst frauenverachtende. Er ist aber in diesem Punkt seinerseits etwas verstockt und verbohrt.

Vielleicht sollten sich Alice Schwarzer und Jörg Kachelmann zusammentun. So oft, wie sie gegeneinander prozessieren, verbringen sie und beschäftigen sich eh die meiste Zeit miteinander. Alice Schwarzer, die Steuerhinterzieherin, was aber nichts mit dieser Sache zu tun hat, Alice Schwarzer wird jetzt gegen das Revisionsverbot Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Sie kann nicht loslassen. Es wird wohl Liebe sein.

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