Meinung : „Alle beschweren sich über die Korruption“

Andrea Nüsse

Der neue Emir von Kuwait ist ein Volksheld. Scheich Said ist der einzige der Herrscherfamilie, der 1990 beim Überfall irakischer Truppen auf das kleine, erdölreiche Nachbarland einen klaren Kopf behielt. Der damalige Kronprinz riet der Familie zur Flucht nach Saudi-Arabien, um ihre Festnahme zu verhindern. Er kehrte als erstes Mitglied der Herrscherfamilie eine Woche nach dem Einmarsch der alliierten Truppen zurück und küsste den Boden seines Heimatlandes. Während sein Cousin, Herrscher Scheich Dschaber, seit seiner Rückkehr aus dem Exil kaum noch öffentlich auftrat, flogen dem korpulenten Scheich Said die Sympathien der Bevölkerung zu. Reformer kritisieren jedoch, dass er jegliche Einschnitte ins Wohlfahrtssystem Kuwaits ablehnt. Dies war Ende der 90er Jahre, als die Öleinnahmen zurückgingen, als dringend notwendig angesehen worden. Seit einer Rückenoperation 1997 ist der heute 75-Jährige ständig krank und zur Behandlung im Ausland. Im Oktober 2005 hatten Parlamentsabgeordnete ihn zum Rücktritt aufgefordert, da er die Amtsgeschäfte für den ebenfalls schwer kranken Emir nicht führen könne. Die komplizierte Nachfolgeregelung, nach der die zwei Zweige der Herrscherfamilie sich auf dem Emir-Posten abwechseln, führte dazu, dass er blieb.

Doch mit seinem Aufstieg an die Spitze des Staates wird endlich wieder ein arbeitsfähiger Kronprinz walten können. Voraussichtlich wird dies Premierminister Scheich Sabah werden, ein Halbbruder des verstorbenen Emirs. Er ist zwar auch schon 75 Jahre alt und hatte schon eine Herzoperation. Aber er ist seit Jahren der De-facto-Herrscher Kuwaits. Von 1963 an war er Außenminister des Landes und führte das Land durch die Krise nach der Invasion Iraks 1990. Seit 1998 wurden ihm immer mehr Amtsgeschäfte übertragen, und 2003 wurde das Amt des Kronprinzen von dem des Premierministers getrennt, das Scheich Sabah übernahm. Zwischen dem neuen Emir und dem voraussichtlichen Kronprinzen hat es in der Vergangenheit heftige politische Auseinandersetzungen gegeben. So hatte Scheich Sabah 1998 seinen Rücktritt eingereicht, weil er die Wirtschaftspolitik des damaligen Kronprinzen ablehnte und eine moderatere Haltung gegenüber den arabischen Ländern forderte, welche die irakische Invasion Kuwaits unterstützt hatten. Der nun verstorbenen Scheich Dschaber konnte seinen langjährigen Außenminister damals zurückholen und übertrug ihm bald mehr Machtbefugnisse.

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