Meinung : Allergische Reaktion

„Wie Pollen ihren Reiz verlieren“

vom 10. Juni

Der Artikel suggeriert völlig unkritisch, dass es sich bei der Eigenbluttherapie um eine neue und sehr wirksame Therapie zum Beispiel von Allergien handele. Dies ist leider falsch. Die Eigenbluttherapie ist in zahlreichen und immer wieder neuen Varianten seit 1874 bekannt und blieb zu Recht bis heute stets heftig umstritten.

Schon die Vielzahl der Krankheiten, bei denen sie als sogenannte alternative Therapie eingesetzt wird, hätte die Autorin misstrauisch machen müssen.

Alle Erfolgsberichte beruhen auf Einzelfall-Kasuistiken, aus denen man keineswegs eine gesicherte Wirksamkeit der Methode ableiten kann. Die Krankenkassen übernehmen deshalb die Kosten nicht.

Völlig unverständlich ist auch, dass die Autorin nicht die exorbitanten Arztkosten von 1880 Euro hinterfragt hat. Vergessen hat die Autorin die Nebenwirkungen der Therapie, die vor allem mit der intramuskulären Injektion des „veränderten“ Blutes in Verbindung stehen und einer Recherche und Erläuterung bedurft hätten.

Dr. Friedrich Warnecke,

Berlin-Wilmersdorf

Das Allergie-Centrum Charité nimmt mit größtem Erstaunen zur Kenntnis, dass im Artikel von Susanne Leimstoll Werbung für drei privatwirtschaftlich Tätige gemacht wird, die sich jenseits aller wissenschaftlichen Methoden dadurch finanziell weiter bereichern können. Wissenschaftlich nicht bewiesene Methoden unkritisch zu propagieren und Patientenströme zu einzelnen Heilern zu lenken, ist für Patienten kein nützlicher und objektiver Journalismus. Die im Artikel angegebenen Preise von 188 Euro pro Sitzung sind zudem auffallend hoch, wenn man sich die für privatärztliche Behandlung gültige Gebührenordnung ansieht. Nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wird für die im Text angegebene intravenöse Injektion 4,08 Euro im einfachen Satz berechnet, für die darauffolgende Blutentnahme 2,33 Euro und für die am Ende folgende intramuskuläre Injektion (nach einer Minute schütteln, wie Sie schreiben) ebenfalls 2,33 Euro. Selbst wenn man die zusätzlichen Positionen Beratung und Untersuchung mit je 4,66 Euro im einfachen Satz abrechnet und am Ende den 2,3-fachen Hebesatz nimmt, käme kein Arzt, der nach international geltenden Leitlinien arbeitet, auf 188 Euro.

Wir werten es als unethisch, Patienten Hoffnung zu machen, ohne zu erwähnen, dass es Alternativen der Behandlung gibt, die nicht nur von der Krankenkasse bezahlt werden, sondern für die außerdem mit Hilfe von internationalen Experten-Gremien ein Behandlungserfolg erwiesen wurde.

Karl-Christian Bergmann,

Marcus Maurer, Bodo Niggemann,

Heidi Olze, Philippe Stock,

Martina Zuberbier, Torsten Zuberbier,

Margitta Worm,

Charité-Universitätsmedizin Berlin,

Allergie-Centrum-Charité

Wie kommt der Kreuzberger Allgemeinmediziner zu dieser Werbeplattform? Womit hat er sich dafür qualifiziert? Sind es seine detailliert aufgeführten Erfolgszahlen? „Zu 90 Prozent Erfolg“ habe seine Version der Eigenblutbehandlung, die Ganzkörperakupunktur immerhin noch „75 Prozent Erfolgsquote bei Wiederholung“ und sogar seine Ohrakupunktur „spricht bei sechs von zehn Patienten an“. Kann das so einfach sein? Ein bisschen Ameisensäure oder auch Schlangenenzyme „je nach Krankheitsbild“ in die Armvene gespritzt, dann etwas Blut herausgezogen, das Ganze eine Minute aufgeschüttelt und diesen „Cocktail“ wieder intramuskulär injiziert – wow! Ist natürlich nicht billig, sondern kostet, „zehn Raten à 188 Euro“. Wenn man es hochrechnet, muss der Kollege bei dieser Preisgestaltung inzwischen fast Millionär sein, wenn er in der Lage ist, statistisch auch nur einigermaßen aussagefähige Erfolgszahlen im Prozentbereich anzugeben.

Aber Sie schreiben ja auch, dass dieses „Wunder Eigenbluttherapie“ für viele Heuschnupfenkranke die bessere Alternative zu den ganzen schweren Medikamenten ist und auch „sanfter wirkt als die häufig propagierte Hyposensibilisierung“. Woher stammen Ihre Informationen? Warum hat man noch nichts von den sonstigen „Tipps“ des Eigenbluttherapeuten gehört? – Fleischarme Ernährung schützt also gegen Heuschnupfen, und außerdem sollte man „nichts allzu Kaltes“ zu sich nehmen? Ist es vielleicht auch hilfreich, die Kohlensäure aus dem Mineralwasser zu rühren und nur mit silbernen Löffeln zu essen?

Und auch das mit den Globuli erscheint mir geradezu erschreckend einfach. „… jeden Frühling … die gleichen Kügelchen“ und dann beschwerdefrei? - Die einzige Erklärung dafür kann eigentlich nur die sein, dass der erwähnte Patient gar keinen Heuschnupfen hat.

Dr. med. Sabine Panzer-Heinig,

Berlin-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben